Gedanken zu einer Predigt über Lukas 11,14-23:

Hier, auf Wunsch, das Transkript:

Kann man stärker sein als der Teufel?

Luther -> Tintenfass | Wartburg
Was ist das für ein Teufel,
den man mit einem Tintenfass* in | * Ein Wörtlein kann ihn fällen (EG 362,3)
die Flucht treiben kann?
|
Plagegeist?
|
Widerspricht den Vorstellungen vom +
Ängsten der Menschen vor d. Teufel
als einer Macht

I. In d. Bibel
Satan = Widersacher Bsp. Jesus
διαβολος = Ankläger Bsp. Hiob
„es kann der Beste nicht in Frieden leben,
wenn’s seinem bösen Nachbarn nicht gefällt”
|
d. Teufel ist/hat keine eigene Macht
sondern versucht                         |
Menschen anzuklagen*           „dunkle Seite der Macht”
und ihnen dadurch zu schaden                                              | * vor wem? Gewissen?
|
Selbstanklage/
Selbstverdammung
|

Freud: Über-Ich

II. These: Der Mensch ist nicht autonom
Er wird von etwas geritten
– Gott oder … => Bibel nennt sie δαιμονια* (urspr. griech. positiv!) | * δαιμων = 1. θεος
|                                                              2. göttl. Wesen ->
„Gottfunktionen“                                             Geschick, Verhängnis
το δαιμονιον = Gottheit,
bes. Genius: der Schutzgeist
δαιμονιος – 1. von e. Dämon besessen -> unbegreiflich, ver-rückt
2. göttlich, übernatürlich, außerordentlich

Erweiterung der These:
III. Der Mensch kann nicht ohne einen (Gott) Reiter sein.

Frage: Wer/ was reitet mich?
jemand, der Gutes für mich will?
Über-Ich – Ich – Es                                 Ambivalenz: Das Verrückte/ unbegreifliche
jemand, der mir schaden will?        ist zugleich das Außerordentliche/
|                                                                Wunderbare
Bibel: Stummheit
=> der Stumme kann nicht „Ich” sagen
„wie ein Schaf (Lamm), das vor seinem Scherer verstummt” (Jesaja 53,7 =
Acta 8,32)


[Was sind unsere Dämonen?
z.B. Leistung
=> ich kann keine Schwäche zulassen/ zeigen
ich muss immer mehr/ besser werden/ haben/ sein
ich darf keine Fehler machen
|

Sünde]

der Glaube an Jesus
Jesus treibt den Dämon aus            |
Vorwurf: Er treibt ihn mit dem Teufel aus
=> Austreibung des Übels durch etwas Schlimmeres


[z.B. Dämon der Gier
=> ich kenne keine Grenzen
ich muss immer mehr haben
ich verwechsle seelische Bedürfnisse mit physischen
|
wird ausgetrieben durch den Dämon der Leistung -> Sport]


Was macht Jesus?

Freud:   „Wo ‚Es‘ war, soll ‚Ich’ werden“
Paulus: „Nun aber lebe nicht mehr ‚Ich’, sondern Christus lebt in mir.“
|
Jesus vertreibt das Über-Ich und setzt an seine Stelle den gnädigen Gott
(Good Will Hunting, Schlüsselszene: „Du kannst nichts dafür”)

IV. Der Teufel steckt nicht im Detail, sondern in uns selbst:
die Maßstäbe, die wir ungeprüft übernehmen u. an uns selbst anlegen.


Der Teufel, der Luther auf der Wartburg heimsuchte, waren die Maßstäbe/ Regeln seiner Vergangenheit
-> Bruch des Mönchsgelübdes
-> Bruch mit der allein selig machenden Kirche

Tintenfass = Regeln sind Papier, nicht unverrückbar
|
Übersetung des NT:
Suche nach d. neuen Weg
->Barmherzigkeit Gottes

V. Luther hat die Teufel nicht alle austreiben können
-> Antisemitismus
|
Er hat die Barmherzigkeit vergessen, die ihn selbst rettete

=> Stärker als der Teufel ist Gottes Barmherzigkeit

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So sieht einer meiner „Gottesdienstbegleiter“ aus.

Ich habe viele Diskussionen um diese Zettel erlebt. Das Hauptargument gegen die Gottesdienstbegleiter war „Papierverschwendung“. In der oben gezeigten Gestaltung erhalte ich aus einer DIN A 4-Seite zwei Zettel; bei einem Gottesdienstbesuch von 20 Personen sind das 10 Blatt Papier. Ich kann diese Papiermenge verantworten, zumal ich die Zettel oft „schnell mal eben“ am eigenen Drucker ausdrucke und so der Gemeinde die Kosten für Papier und Druck erspare.

Warum benutze ich Gottesdienstbegleiter?

a) Mir ist es wichtig, dass jede* den Gottesdienst mitfeiern kann. Ich habe noch keine Gemeinde erlebt, die so liturgiesicher war, dass man auf jeden Hinweis hätte verzichten können. Dagegen erlebe ich oft, dass Gäste im Gottesdienst sind, oder dass „Neue“ kommen. Ich möchte, dass jede* genau weiß, was sie erwartet und was als nächstes kommt, gemäß des ersten der sieben „Massgeblichen Kriterien“ des Evangelischen Gottesdienstbuches (EGb), dass Gottesdienst „Sache der ganzen Gemeinde“ ist:

„Der Gottesdienst wird unter der Verantwortung und Beteiligung der ganzen Gemeinde gefeiert.“ (EGb, S. 15)

Übrigens sind auch die anderen sechs Kriterien lesens- und bedenkenswert 😉

b) Liturgie ist für mich keine Vorschrift, die man in immer gleicher Weise abarbeitet, sondern ein lebendiges Eingehen auf das und Umgehen mit dem Proprium des Sonntages. Das EGb liefert gute Beispiele, wie einzelne Elemente der Liturgie dem Anlass/ dem Anliegen des Sonntages angepasst werden können (ab S. 36, vgl. die Beispieltabellen auf S. 40 („Eröffnung und Anrufung“, S. 45 („Verkündigung und Bekenntnis“), S. 49 („Sendung und Segen“). Ich finde es wichtig, diese Möglichkeiten immer wieder zu nutzen. Dabei hilft der Gottesdienstbegleiter, weil ich so Änderungen leicht vermitteln kann, ohne dass ich den Gottesdienst mit langen Erläuterungen und Ansagen stören muss.

c) Gottesdienst ist nicht in erster und zweiter Linie, aber auch eine pädagogische Veranstaltung. Mit der Feier des Gottesdienstes „lernt“ die Gemeinde Liturgie. Dieses Lernen unterstütze ich, indem ich z.B. sehr genaue Anweisungen gebe („Wir erheben uns …“), auch wenn diese für regelmäßige Gottesdienstbesucher*innen unnötig wären.
Auf diese Weise kann man auch behutsam versuchen, eingeschliffene Fehler zu korrigieren, wenn z.B. beim Gloria in Excelsis „den Menschen ein Wohlgefallen“ gesungen wird, statt richtig „den Menschen sein Wohlgefallen“ (vgl. Lukas 2,14), wobei sein für seines Wohlgefallens steht, weshalb ich hinter sein‘ ein Apostroph setze, um die ausgefallene Genitiv-Endung zu markieren. Ein anderer, beliebter Fehler wird bei der Salutatio gemacht: Man singt „… und mit seinem Geist“ statt richtig „… und mit deinem Geist“.

d) Pädagogische Aufgabe der Liturg*in ist es, die Gemeinde mündig zu machen und sie in die Lage zu versetzen, den Gottesdienst im Prinzip selbst feiern zu können. Gerade angesichts der Pfarrstellenentwicklung ist es wichtig, der Gemeinde die Angst vor der Mitwirkung im Gottesdienst zu nehmen bzw. sie anzuleiten und zu ermutigen, den Gottesdienst selbst zu verantworten. Dazu gehört neben Lektorendiensten und der Einbeziehung der Gemeinde durch Wechselgesänge und Gebetsrufe auch der Gottesdienstbegleiter, der deutlich macht, dass Gottesdienst kein „Geheimnis“ ist und auch nicht „Chefsache“, sondern, wie es das erste massgebliche Kriterium sagt, Sache der ganzen Gemeinde.

In diesem Zusammenhang mache ich sehr gute Erfahrungen damit, dass ich das Fürbittengebet unter den Gottesdienstbesucherinnen verteile. Jede bekommt eine Bitte, die ich vorher durchnummeriert habe, und wir sprechen die Fürbitten aus den Bänken. Alternativ kann man ein Gesangbuchlied als Fürbittengebet mit der Gemeinde sprechen – viele Lieder des Evangelischen Gesangbuchs (EG) sind zugleich Gebete. Dazu eignen sich z.B.:

EG 248 Treuer Wächter Israel
EG 252 Jesu, der du bist alleine
EG 334 Danke (als Dankgebet)
EG 344 Vaterunser (Auswahl!)
EG 347 Ach bleib mit deiner Gnade
EG 404 Herr Jesu, Gnadensonne
EG 414 Lass mich, o Herr, in allen Dingen
EG 419 Hilf, Herr meines Lebens
EG 423 Herr, höre, Herr, erhöre (Auswahl!)
EG 424 Deine Hände, großer Gott
EG 425 Gib uns Frieden jeden Tag
EG 428 Komm in unsre stolze Welt
EG 430 Gib Frieden, Herr, gib Frieden

e) Zu guter letzt finde ich es unbarmherzig, wenn Liturginnen und Kirchenälteste erwarten, dass Texte wie das Glaubensbekenntnis oder das Vaterunser auswendig gekonnt werden. Ich finde auch, dass man zentrale Texte des Glaubens „by heart“ kennen sollte – aber nicht, weil man das von einer Gläubigen* so erwarten muss, sondern weil sie eben für den Glauben eine ganz zentrale Rolle spielen und durch ständiges Wiederholen gelernt und gekonnt werden. Wenn man aber diesen Maßstab an alle Gottesdienstbesucher*innen anlegt, handelt man unbarmherzig bzw. schließt jene aus, die den Glauben erst kennen lernen möchten oder die nicht so regelmäßig in den Gottesdienst kommen. Insofern halte ich eine Hilfestellung, wie sie das EG ja auch bietet (allerdings muss man sich dazu ein bisschen auskennen) theologisch für geboten. Die muss nicht durch Gottesdienstbegleiter, sondern kann z.B. auch durch Einleger im Gesangbuch erfolgen, auf denen die übliche Liturgie mit den Texten und Weisen abgedruckt ist.

Links zu den Gottesdienstbegleitern:

Gottesdienstbegleiter_Vorlage.odt – OpenOffice/LibreOffice-Dokument
Gottesdienstbegleiter_Vorlage.ott  – OpenOffice/LibreOffice-Dokumentvorlage
Gottesdienstbegleiter_Vorlage.docx – WORD-Dokument
Gottesdienstbegleiter_mitNoten.odt  – OpenOffice/LibreOffice-Dokument
Gottesdienstbegleiter_mitNoten.ott  – OpenOffice/LibreOffice-Dokumentvorlage
Gottesdienstbegleiter_mitNoten.docx  – WORD-Dokument

Schriftart: Arial
Die Noten sind aus dem bayerischen EKG eingescannt.

Gliederung der Predigt zum 19.n.Trinitatis

Die ersten drei Schritte ergeben sich aus dem Text, incl. der Gegenrede. Die folgenden beiden Schritte führen den Gedanken der Gebotsübertretung weiter.

Im Hinterkopf habe ich „Terror“ von Ferdinand v. Schirach und einen imaginierten AfD-Anhänger.

In der fertigen Predigt habe ich die fünf Schritte auf sechs Abschnitte (plus kurze Einleitung) verteilt. Man kann sie auf bloghuette.blogspot.de nachlesen.

Sehr schöne Darstellung (mehr als eine Zusammenfassung) der Entstehung des Dogmas durch Klaus Kusanowsky

Differentia

1. Dogma
Wie sind Dogmen entstanden? (Nach Erläuterungen von Bernhard Lohse: Epochen der Dogmengeschichte. 5. Auflage Stuttgart 1983, S. 12-25.)

Dogmen waren keineswegs, entgegen der landläufigen Auffassung, unumstößliche Glaubenswahrheiten, die Vorschriften für Bekenntnis sind. Dass man das vermuten kann, hängt mit einer semantischen Veränderung des Begriffs zusammen, die sich im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts vollzogen hat, nachdem auch in der Theologie die symbolische Ordnung des Mittelalters nicht mehr anschussfähig war, was im 20. Jahrhundert dazu führte, dass auch die Theologie Dogmen abzulehnen begann. (Dazu bei Lohse, Motto: Dogmen abzulehnen heißt, sie zu verschweigen.)
Dogmen waren Reflexionsresultate der nachfolgenden Überprüfung von bereits akzeptierten Glaubensinhalten. Das bedeutet: der Glaube und damit ein Anschlusshandeln innerhalb einer religösen Ordnung hatte keine Gewissheit über eine Glaubenswahrheit zur Voraussetzung. Vielmehr war die Theologie und damit die Entwicklung ihrer Dogmen von der Annahme ausgegangen, dass es keineswegs wahrscheinlich ist, an Gott zu glauben. Die Theologie…

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Man ruft zum Mittagsmahl
Der Esstisch biegt sich schon
Fettwänste und Kinder mit Wasserbauch
Greif dir dein Besteck
Lang richtig zu
Der kriegt die Soße
Der kriegt den Knorpel
Der kriegt das beste Stück
Der kriegt gar nichts
Dabei ist genug da

Ich holte mit mein Teil am Strand
Angespülte Pappteller und Prilflaschen
Möwen kommen herab und schrei’n mich an
Dort wo die Wellenreiter gleiten

Die geht zur Kirche
Und die greift zum Heroin
Die zieht viel lieber umher
Auf der Suche nach Freiheit
Und heiler Natur
Die starrt die Wand an
Die zieht die Kinder groß
Die starrt auf Aktienkurse
Wartet auf den einen ganz großen Gewinn

Ich holte mir meinen Traum am Strand
Fähren, Strandkörbe und Sonne
Buhnen, Boote,
Und Ölkanister
Hunde, Schlepper, Sommerzeit
An der Essensausgabe
Die wütende Jugend weint

Wer ließ den Gierschlund rein
Und wer schloss den Armen aus
Wer versalzte die Suppe
Sag ihm wir sehnen uns so
Nach ’ner süßer’n Kost
In ’nem Glückskeks las ich
„Der kriegt die Soße
Der kriegt den Knorpel
Der kriegt das beste Stück
Der kriegt gar nichts
Dabei ist genug da“

Joni Mitchell, Banquet