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Texte für den Gottesdienst

Überlegungen zum Predigttext der Reihe IV am 1. Advent, Offenbarung 5,1-14

Vorüberlegungen
(Kommentar: Müller, Ulrich, Die Offenbarung des Johannes, ÖTK 19, Gütersloh, 1984)
Die Offenbarung wendet sich an Christen in einer Verfolgunssituation. Was der Seher Johannes schaut, ist für sie nicht Drohung, sondern gibt ihnen Hoffnung und macht ihnen Mut. Daher die Tränen des Sehers, dass die Endzeit, die ihnen Erlösung und Gerechtigkeit verschaffen wird, nicht in Gang gesetzt wird (durch das Öffnen/ Lesen des Buches).
Die Thronsaalszene knüpft an Jes 6 an; das innen und hinten beschriebene Buch an Ez 2. Im Apparat zur Stelle findet man den Hinweis auf Handschriften, die den Text entweder nach „innen und außen“ oder „vorn und hinten“ korrigieren; „innen und hinten“ ist die ursprüngliche Lesart (mit den besten Textzeugen). Es handelt sich nicht um eine antike Urkunde, ein gefaltetes, gesiegeltes Blatt, dessen Inhalt auf der Außenseite wiedergegeben ist und die durch Erbrechen des Siegels in Kraft gesetzt wird.
Die Hörner des Lammes stehen für Macht; die Sieben ist eine Vollzahl.
Das Lamm sieht aus „wie geschächtet“. Das Schächten ist ein ritueller jüdischer (und muslimischer) Schlachtbrauch, bei dem mit einem scharfen Messer die Halsschlagader des Tieres durchtrennt wird, sodass es vollständig ausbluten kann. Das Lamm trägt also einen (blutigen) Schnitt am Hals.

Übersetzung:
Ich sah: In der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß, war ein Buch, beschrieben von innen und von hinten, das war mit sieben Siegeln versiegelt.
Und ich sah: Ein mächtiger Engel verkündete mit gewaltiger Stimme:
– Wer ist würdig, das Buch zu öffnen und seine Siegel zu brechen?
Aber niemand im Himmel noch auf der Erde noch unter der Erde konnte das Buch öffnen oder gar hineinsehen. Da weinte ich sehr, weil sich niemand würdig fand, das Buch zu öffnen oder gar hineinzusehen. Aber einer der Ältesten sprach zu mir:
– Weine nicht! Du weißt doch, der „Löwe aus dem Stamm Juda“, die „Wurzel Davids“ hat gesiegt und kann das Buch öffnen und seine sieben Siegel.
Und ich sah: Mitten zwischen dem Thron, den vier Tieren und den Ältesten stand ein Lamm, das sah aus wie geschächtet. Es hatte sieben Hörner und sieben Augen – das sind die sieben Geister Gottes, die er über die ganze Welt sendet. Und es kam und nahm es aus der rechten Hand dessen, der auf dem Thron sitzt. Als es das Buch genommen hatte, fielen die vier Tiere und die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem Lamm. Jeder hatte eine Laute und goldene Schalen, die mit Räucherwerk gefüllt waren – das sind die Gebete der Heiligen. Und sie sangen ein neues Lied:
– Würdig bist du, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu brechen, weil du geschächtet bist und hast Gott mit deinem Blut aus jedem Volksstamm, jeder Sprache, jeder Nation und jeder Volksgruppe Menschen freigekauft. Du hast sie unserem Gott zum Königtum und zu Priestern gemacht,  und sie werden über die Erde herrschen.
Und ich sah: Ich hörte die Stimme vieler Engel rings um den Thron, und die Stimmen der Tiere und der Ältesten, und ihre Zahl war Myriaden über Myriaden und Tausend mal Tausend. Sie riefen mit gewaltiger Stimme:
– Würdig ist das Lamm, das geschächtet wurde, an sich zu nehmen die Macht und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob. Und jedes Geschöpf im Himmel und auf der Erde und unter der Erde und auf dem Wasser und alles, was in ihm ist, hörte ich singen:
– Dem, der auf dem Thron sitzt und dem Lamm sei Lob und Ehre und Preis und Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Und die vier Tiere sprachen: Amen. Und die Ältesten fielen nieder und beteten an.
Gliederung der Predigt:
I. Ein Buch, das man nicht lesen kann – ist das überhaupt ein Buch?
Warum weint der Seher?
Bücher, die wir unbedingt lesen wollen:
– das Tagebuch einer anderen
– Kalender/ Notizbuch einer anderen -> uns treibt die Neugier
Der Seher will, dass etwas in Gang gesetzt wird.
Giwi Margwelaschwili: Die Leserin macht eine Geschichte lebendig, setzt Ereignisse in Gang

II. a) Das Buch mit den 7 Siegeln darf nur einer lesen.
Weil er damit etwas in Gang setzt, das erst am Ende der Zeiten geschieht:
das Endgericht
=> Die Gerechten erfahren Gerechtigkeit (das Theodizeeproblem wird gelöst)
=> Die Bitten der Heiligen werden erfüllt (das Problem der Gebetserfüllung wird gelöst)
Warum erst am Ende der Zeiten Gerechtigkeit?
Warum erst am Ende der Zeiten die Erfüllung der Bitten?
Warum herrschen die Christ*innen erst am Ende der Zeiten?

b) Totalitäre Systeme wollen das Ende vor dem Ende.
Der Kommunismus wollte Gerechtigkeit für die Ausgebeuteten durchsetzen.
Der Faschismus wollte Gerechtigkeit für die, die sich benachteiligt/ abgehängt fühlten (darum ist er so interessant und gefährlich für die Anhänger von PEGIDA/ AfD).
Der Terrorismus will Gerechtigkeit für eine bestimmte Gruppe.
Das Ende ist schrecklich (und wird von der Offenbarung auch so beschrieben), weil in dieser Welt Gerechtigkeit nur mit Gewalt durchzusetzen ist.
Die Ungerechten werden (mit allen Mitteln) gestoppt.
Stop bedeutet: Keine Veränderung ist mehr möglich.
Daher das Jesuswort:„Versöhne dich mit deinem Gegner, solange du mit ihm auf dem Weg bist“ (Matthäus 5,25).
=> Gerechtigkeit ist keine abstrakte Größe,sondern die Basis einer Beziehung

c) Deshalb darf nur das Lamm das Buch lesen,weil es nicht Rache will,
(Rache = Gerechtigkeit als Restitution eines früheren status quo)
sondern sich für alle geopfert hat.
(Opfer = Möglichkeit zum Neuanfang, weil die Bilanz ausgeglichen ist und weil der „Wert“ (Anselm v. Canterbury!) des freiwilligen Opfers alle Ansprüche etc. derart weit übersteigt, dass eine Restitution nicht mehr infrage kommt)
=> Ein neues Level der Beziehung ist erreicht.
Justitia ist blind, aber Gerechtigkeit ist parteiisch mit den Schwachen.
Gottes Gerechtigkeit ist barmherzig mit den Schwachen.
Gottes Gerechtigkeit gibt es erst in einem neuen Himmel, einer neuen Erde.
Dort werden die Letzten die Ersten, die Ersten die Letzten sein (wer ist dann der Schwache?)

III. Advent ist der Anbruch der besseren Gerechtigkeit Gottes
noch ist sie nicht da                  )
Wünsche erfüllen sich nicht   ) Das wäre in jeder Hinsicht das Ende
Christ*innen herrschen nicht )
Das eine Buch bleibt verschlossen, aber das andere Buch = die Bibel wird gelesen.
Durch uns werden die bibl. Geschichten lebendig.
Indem sie wir lesen, ist Gottes Neue Welt da, ist das Reich Gottes nahe herbeigekommen.

IV. Paulus: Ihr seid ein Brief/ Empfehlungsschreiben (2.Kor 3,2)
Nicht nur Bücher werden gelesen.
Man kann an Menschen ablesen, woran sie glauben.
Wenn das Reich Gottes uns berührt, reflektieren wir es.
Die Leser*in erweckt Geschichten zum Leben und wird selbst von ihnen bewegt/ verändert.

V. Damit ein Buch gelesen werden kann, muss es geöffnet werden.Damit Geschichten lebendig werden, braucht es Leser*innen.
Am 1. Advent beginnt die Geschichte wieder einmal neu.
Lesen wir sie, damit unsere Welt ein gutes Ende nimmt.

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So sieht einer meiner „Gottesdienstbegleiter“ aus.

Ich habe viele Diskussionen um diese Zettel erlebt. Das Hauptargument gegen die Gottesdienstbegleiter war „Papierverschwendung“. In der oben gezeigten Gestaltung erhalte ich aus einer DIN A 4-Seite zwei Zettel; bei einem Gottesdienstbesuch von 20 Personen sind das 10 Blatt Papier. Ich kann diese Papiermenge verantworten, zumal ich die Zettel oft „schnell mal eben“ am eigenen Drucker ausdrucke und so der Gemeinde die Kosten für Papier und Druck erspare.

Warum benutze ich Gottesdienstbegleiter?

a) Mir ist es wichtig, dass jede* den Gottesdienst mitfeiern kann. Ich habe noch keine Gemeinde erlebt, die so liturgiesicher war, dass man auf jeden Hinweis hätte verzichten können. Dagegen erlebe ich oft, dass Gäste im Gottesdienst sind, oder dass „Neue“ kommen. Ich möchte, dass jede* genau weiß, was sie erwartet und was als nächstes kommt, gemäß des ersten der sieben „Massgeblichen Kriterien“ des Evangelischen Gottesdienstbuches (EGb), dass Gottesdienst „Sache der ganzen Gemeinde“ ist:

„Der Gottesdienst wird unter der Verantwortung und Beteiligung der ganzen Gemeinde gefeiert.“ (EGb, S. 15)

Übrigens sind auch die anderen sechs Kriterien lesens- und bedenkenswert 😉

b) Liturgie ist für mich keine Vorschrift, die man in immer gleicher Weise abarbeitet, sondern ein lebendiges Eingehen auf das und Umgehen mit dem Proprium des Sonntages. Das EGb liefert gute Beispiele, wie einzelne Elemente der Liturgie dem Anlass/ dem Anliegen des Sonntages angepasst werden können (ab S. 36, vgl. die Beispieltabellen auf S. 40 („Eröffnung und Anrufung“, S. 45 („Verkündigung und Bekenntnis“), S. 49 („Sendung und Segen“). Ich finde es wichtig, diese Möglichkeiten immer wieder zu nutzen. Dabei hilft der Gottesdienstbegleiter, weil ich so Änderungen leicht vermitteln kann, ohne dass ich den Gottesdienst mit langen Erläuterungen und Ansagen stören muss.

c) Gottesdienst ist nicht in erster und zweiter Linie, aber auch eine pädagogische Veranstaltung. Mit der Feier des Gottesdienstes „lernt“ die Gemeinde Liturgie. Dieses Lernen unterstütze ich, indem ich z.B. sehr genaue Anweisungen gebe („Wir erheben uns …“), auch wenn diese für regelmäßige Gottesdienstbesucher*innen unnötig wären.
Auf diese Weise kann man auch behutsam versuchen, eingeschliffene Fehler zu korrigieren, wenn z.B. beim Gloria in Excelsis „den Menschen ein Wohlgefallen“ gesungen wird, statt richtig „den Menschen sein Wohlgefallen“ (vgl. Lukas 2,14), wobei sein für seines Wohlgefallens steht, weshalb ich hinter sein‘ ein Apostroph setze, um die ausgefallene Genitiv-Endung zu markieren. Ein anderer, beliebter Fehler wird bei der Salutatio gemacht: Man singt „… und mit seinem Geist“ statt richtig „… und mit deinem Geist“.

d) Pädagogische Aufgabe der Liturg*in ist es, die Gemeinde mündig zu machen und sie in die Lage zu versetzen, den Gottesdienst im Prinzip selbst feiern zu können. Gerade angesichts der Pfarrstellenentwicklung ist es wichtig, der Gemeinde die Angst vor der Mitwirkung im Gottesdienst zu nehmen bzw. sie anzuleiten und zu ermutigen, den Gottesdienst selbst zu verantworten. Dazu gehört neben Lektorendiensten und der Einbeziehung der Gemeinde durch Wechselgesänge und Gebetsrufe auch der Gottesdienstbegleiter, der deutlich macht, dass Gottesdienst kein „Geheimnis“ ist und auch nicht „Chefsache“, sondern, wie es das erste massgebliche Kriterium sagt, Sache der ganzen Gemeinde.

In diesem Zusammenhang mache ich sehr gute Erfahrungen damit, dass ich das Fürbittengebet unter den Gottesdienstbesucherinnen verteile. Jede bekommt eine Bitte, die ich vorher durchnummeriert habe, und wir sprechen die Fürbitten aus den Bänken. Alternativ kann man ein Gesangbuchlied als Fürbittengebet mit der Gemeinde sprechen – viele Lieder des Evangelischen Gesangbuchs (EG) sind zugleich Gebete. Dazu eignen sich z.B.:

EG 248 Treuer Wächter Israel
EG 252 Jesu, der du bist alleine
EG 334 Danke (als Dankgebet)
EG 344 Vaterunser (Auswahl!)
EG 347 Ach bleib mit deiner Gnade
EG 404 Herr Jesu, Gnadensonne
EG 414 Lass mich, o Herr, in allen Dingen
EG 419 Hilf, Herr meines Lebens
EG 423 Herr, höre, Herr, erhöre (Auswahl!)
EG 424 Deine Hände, großer Gott
EG 425 Gib uns Frieden jeden Tag
EG 428 Komm in unsre stolze Welt
EG 430 Gib Frieden, Herr, gib Frieden

e) Zu guter letzt finde ich es unbarmherzig, wenn Liturginnen und Kirchenälteste erwarten, dass Texte wie das Glaubensbekenntnis oder das Vaterunser auswendig gekonnt werden. Ich finde auch, dass man zentrale Texte des Glaubens „by heart“ kennen sollte – aber nicht, weil man das von einer Gläubigen* so erwarten muss, sondern weil sie eben für den Glauben eine ganz zentrale Rolle spielen und durch ständiges Wiederholen gelernt und gekonnt werden. Wenn man aber diesen Maßstab an alle Gottesdienstbesucher*innen anlegt, handelt man unbarmherzig bzw. schließt jene aus, die den Glauben erst kennen lernen möchten oder die nicht so regelmäßig in den Gottesdienst kommen. Insofern halte ich eine Hilfestellung, wie sie das EG ja auch bietet (allerdings muss man sich dazu ein bisschen auskennen) theologisch für geboten. Die muss nicht durch Gottesdienstbegleiter, sondern kann z.B. auch durch Einleger im Gesangbuch erfolgen, auf denen die übliche Liturgie mit den Texten und Weisen abgedruckt ist.

Links zu den Gottesdienstbegleitern:

Gottesdienstbegleiter_Vorlage.odt – OpenOffice/LibreOffice-Dokument
Gottesdienstbegleiter_Vorlage.ott  – OpenOffice/LibreOffice-Dokumentvorlage
Gottesdienstbegleiter_Vorlage.docx – WORD-Dokument
Gottesdienstbegleiter_mitNoten.odt  – OpenOffice/LibreOffice-Dokument
Gottesdienstbegleiter_mitNoten.ott  – OpenOffice/LibreOffice-Dokumentvorlage
Gottesdienstbegleiter_mitNoten.docx  – WORD-Dokument

Schriftart: Arial
Die Noten sind aus dem bayerischen EKG eingescannt.

Man ruft zum Mittagsmahl
Der Esstisch biegt sich schon
Fettwänste und Kinder mit Wasserbauch
Greif dir dein Besteck
Lang richtig zu
Der kriegt die Soße
Der kriegt den Knorpel
Der kriegt das beste Stück
Der kriegt gar nichts
Dabei ist genug da

Ich holte mit mein Teil am Strand
Angespülte Pappteller und Prilflaschen
Möwen kommen herab und schrei’n mich an
Dort wo die Wellenreiter gleiten

Die geht zur Kirche
Und die greift zum Heroin
Die zieht viel lieber umher
Auf der Suche nach Freiheit
Und heiler Natur
Die starrt die Wand an
Die zieht die Kinder groß
Die starrt auf Aktienkurse
Wartet auf den einen ganz großen Gewinn

Ich holte mir meinen Traum am Strand
Fähren, Strandkörbe und Sonne
Buhnen, Boote,
Und Ölkanister
Hunde, Schlepper, Sommerzeit
An der Essensausgabe
Die wütende Jugend weint

Wer ließ den Gierschlund rein
Und wer schloss den Armen aus
Wer versalzte die Suppe
Sag ihm wir sehnen uns so
Nach ’ner süßer’n Kost
In ’nem Glückskeks las ich
„Der kriegt die Soße
Der kriegt den Knorpel
Der kriegt das beste Stück
Der kriegt gar nichts
Dabei ist genug da“

Joni Mitchell, Banquet

Ezechiel 34 als Gebet mit Kyrie und Gloria zum Sonntag Miserikordias Domini

So schreibt der Prophet Ezechiel:
Das Wort des Herrn erging an mich:
Du Mensch, weissage gegen die Hirten Israels,
weissage und sprich zu ihnen, zu den Hirten:
So spricht Gott, der Herr:
Wehe den Hirten Israels, die sich selbst geweidet haben!
Sollten die Hirten nicht die Schafe weiden?

Wir hören diese Worte an die Hirten Israels
und erinnern uns, wie Gott Kain fragte:
Wo ist dein Bruder Abel?,
und er antwortete:
Soll ich meines Bruders Hüter sein?
Auch wir denken zu oft an uns
und zu wenig an unsere Mitmenschen.
Darum rufen wir: EG 178.11 Herr, erbarme dich

Das Fett esst ihr
und mit der Wolle bekleidet ihr euch
und die fetten Schafe schlachtet ihr
– ihr weidet die Schafe nicht!

Wir leben in einem reichen Land.
Wir leben von der Armut der anderen.
Wir tragen Kleidung, die sie für uns für wenig Lohn nähen,
kaufen Nahrungsmittel, die sie für uns billig anbauen,
und hindern sie so daran,
sich eine Existenz aufzubauen.
Darum rufen wir: EG 178.11 Herr, erbarme dich

Die Schwachen habt ihr nicht gestärkt,
und was krank war, habt ihr nicht geheilt,
und was gebrochen war, habt ihr nicht verbunden,
und was versprengt war, habt ihr nicht zurückgeholt,
und was verloren gegangen war, habt ihr nicht gesucht,
und mit Macht habt ihr sie niedergetreten und mit Gewalt.

In unserer Leistungsgesellschaft kommt nur der Stärkere voran.
In der Schule zählen nur die Noten.
Da bleiben Schwache auf der Strecke.
Menschen kommen unter die Räder.
Krankheit, Irrtum, Umwege darf es nicht geben.
Darum rufen wir: EG 178.11 Herr, erbarme dich

Und weil kein Hirt da war, haben sie sich zerstreut
und sind sie zum Frass geworden für alle Tiere des Feldes,
und so haben sie sich zerstreut.
Auf allen Bergen und auf jedem hohen Hügel irren meine Schafe umher,
über das ganze Land sind meine Schafe zerstreut,
und da ist niemand, der nach ihnen fragt,
und niemand ist da, der nach ihnen sucht.

Als Gemeinde sind wir nicht nur für uns da.
Als Gemeinde sind wir nicht uns selbst genug.
Wir sind von Gott gesandt,
Menschen einzuladen und ihnen Gottes Freundlichkeit zu zeigen.
Wir aber haben mit unseren Problemen
und der Sorge um unsere Zukunft zu tun
und vergessen unseren Auftrag.
Darum rufen wir: EG 178.11 Herr, erbarme dich

Darum, Hirten, hört das Wort des Herrn!
So wahr ich lebe, Spruch Gottes, des Herrn,
weil meine Schafe zur Beute
und meine Schafe zum Frass geworden sind für alle Tiere des Feldes, ohne Hirt,
und meine Hirten nicht nach meinen Schafen gefragt haben
und die Hirten sich selbst geweidet und meine Schafe nicht geweidet haben,
darum, Hirten, hört das Wort des Herrn!
So spricht Gott, der Herr:
Seht, ich gehe gegen die Hirten vor
und fordere meine Schafe aus ihrer Hand
und sorge dafür, dass sie keine Schafe mehr weiden,
und auch sich selbst werden die Hirten nicht mehr weiden.
Und ich werde meine Schafe vor ihrem Rachen retten,
und sie werden ihnen nicht zum Frass werden.

Wir werden immer weniger.
Vielleicht liegt es daran,
dass wir uns zu viel um uns selbst kümmern
und zu wenig um die,
um die sich sonst keiner kümmert.
Vielleicht liegt es daran,
dass wir unseren Auftrag vergessen haben,
vergessen haben, wer unser Nächster ist.
Darum rufen wir: EG 178.11 Herr, erbarme dich

So spricht Gott, der Herr:
Seht, ich selbst, ich werde nach meinen Schafen fragen
und mich um sie kümmern.
Wie ein Hirt sich um seine Herde kümmert
am Tag, da er inmitten seiner Schafe ist, die aufgeteilt worden sind,
so werde ich mich um meine Schafe kümmern
und sie retten aus allen Orten, wohin sie zerstreut worden sind
am Tag des Gewölks und des Wolkendunkels.

Wir haben unseren Auftrag,
unsere Mitmenschen vergessen.
Aber Gott hat sie nicht vergessen.
Gott hört nicht auf, uns daran zu erinnern,
dass wir die Liebe nicht für uns allein haben,
sondern sie weitergeben an andere,
Darum singen wir: EG 180.3 Wir loben dich

Ich werde sie herausführen aus den Völkern
und sie sammeln aus den Ländern,
und ich werde sie auf ihren Boden bringen,
und auf den Bergen Israels,
an den Flussbetten und an allen Wohnorten im Land werde ich sie weiden.
Auf guter Weide werde ich sie weiden,
und auf den hohen Bergen Israels wird ihr Weideplatz sein;
dort werden sie auf gutem Weideplatz lagern,
und auf fetter Weide werden sie weiden auf den Bergen Israels.
Ich selbst werde meine Schafe weiden,
und ich selbst werde sie lagern lassen! Spruch Gottes, des Herrn.

Wir erinnern uns daran,
dass Gott Glück, Gutes und Gerechtigkeit für alle Menschen will,
ungeachtet ihrer Herkunft oder Hautfarbe,
ungeachtet ihres Alters und ihrer Leistungen,
ungeachtet ihres Glaubens oder Unglaubens.
Wir staunen, dass Gottes Liebe so viel größer ist als unsere.
Darum singen wir: EG 180.3 Wir loben dich

Was verloren gegangen ist, werde ich suchen,
und was versprengt worden ist, werde ich zurückholen,
und was gebrochen ist, werde ich verbinden,
und was krank ist, werde ich stärken.
Was aber fett und kräftig ist, werde ich vernichten;
ich werde sie weiden und für Recht sorgen.

Gott ist ein Gott des Rechts und der Gerechtigkeit.
Gott lässt nicht zu, dass der Stärkste gewinnt,
dass der zuerst mahlt, der zuerst kommt,
dass Dreistigkeit, Rücksichtslosigkeit und Frechheit siegen.
Das Schwache, Verlorene, Gebrochene und Kranke
soll die selben Rechte haben.
Darum singen wir: EG 180.3 Wir loben dich

Wir danken dir, Gott,
dass dein Wort uns an deinen guten Willen für uns
und für alle Menschen erinnert.
Gib, dass wir es hören können,
und hilf uns, dass wir auch danach handeln.
Amen.

Wieviel Gift wären Sie bereit,
für den Erfolg des Freien
Marktes und des Welthandels zu essen? Bitte
nennen Sie Ihre bevorzugten Gifte.

Wie viel Böses wären Sie
um des Guten willen bereit zu tun?
Tragen Sie in die folgenden Leerstellen
die Namen Ihrer Lieblings-
übel und bevorzugten Terrorakte ein.

Welche Opfer sind Sie bereit,
für Kultur und und Zivilisation zu bringen?
Bitte zählen Sie die Denkmäler, Heiligtümer
und Kunstwerke auf, die Sie
am ehesten zu zerstören bereit wären.

Welche Flächen unserer Heimat wären Sie
bereit, im Namen von Patriotismus und Vater-
landsliebe zu entweihen?
Nennen Sie auf den folgenden Feldern
die Berge, Flüsse, Städte und Gehöfte,
auf die Sie am ehesten verzichten können.

Nennen Sie kurz die Ideen, Ideale oder Hoffnungen,
die Energiequellen, die Formen der Sicherheit,
um deretwillen Sie ein Kind töten würden.
Nennen Sie bitte die Kinder, die
Sie zu töten bereit wären.

Wendell Berry

aus: „Leavings“, Counterpoint (April 1, 2011), ISBN-13: 978-1582436241
Original: http://writersalmanac.publicradio.org/index.php?date=2014/03/22

Johannes 12
Das Evangelium in verteilten Rollen.

Menge:

  • Habt ihr schon gehört? Jesus ist auf dem Weg in die Stadt, er kommt nach Jerusalem!

  • Hat er nicht den Lazarus von den Toten auferweckt?

  • Ja, der ist es!

  • Wer so etwas tun kann, muss übernatürliche Kräfte haben.

  • Ja, natürlich: Jesus ist der Sohn Gottes!

  • Worauf warten wir dann noch? Nichts wie hin! Wir laufen ihm entgegen.

  • Nicht nötig, da kommt er schon!

  • Wo? Ich sehe ihn nicht.

  • Da hinten. Er reitet auf einem Esel.

  • Ist der Esel ausgewachsen, oder ist es ein Jungtier?

  • Wieso? Ist das wichtig?

  • Ja, kennst du denn die Weissagung nicht? Auf einem Eselsfohlen zieht der Messias als König in Jerusalem ein!

  • Es ist ein junger Esel.

  • Dann ist Jesus der Messias!

  • Hurra! Jesus, du bist unser König! Hosianna!

  • Hosianna! Hosianna!

  • Wir wollen den Messias empfangen, wie es sich für einen König gehört.

  • Wir rollen einen roten Teppich für ihn aus!

  • Wo nehmen wir den so schnell her?

  • Wir reißen Zweige von den Palmen ab und streuen sie auf den Weg.

  • Wir legen unsere Jacken und Mäntel auf den Weg, das ist wie ein Teppich.

  • Stimmt alle in unser Loblied ein: Gelobt sei, der im Namen des Herrn kommt! Er ist der König Israels! Hosianna!

Jünger:

  • Was macht Jesus denn da?
  • Er will sich wohl einen Esel ausleihen.

  • Wozu? Er geht doch sonst immer zu Fuß.

  • Keine Ahnung. Sieh mal, jetzt setzt er sich drauf.

  • Er gibt uns ein Zeichen: Wir sollen alle mitkommen.

  • Er will auf dem Esel in Jerusalem einziehen!

  • Oh, das wird Ärger geben!

  • Wieso sollte es Ärger geben?

  • Ja, kennst du etwa nicht die Bibelstelle: „Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Sieh doch: Dein König kommt! Er sitzt auf dem Jungen einer Eselin.“

  • Du meinst, Jesus will sich zum König machen? Das glaube ich nicht!

  • Und wenn doch?

Pharisäer:

  • Da kommt dieser Jesus.
  • Seht nur, was er tut: Er reitet auf einem Eselsfohlen ein!

  • Unerhört! Er macht sich selbst zum Messias! Das ist Gotteslästerung!

  • Lasst ihn nur machen. Endlich haben wir eine Möglichkeit, ihn anzuklagen.

  • Die Römer werden es nicht dulden, dass einer sich zum König erklärt.

Menge:

  • Seht, da hinten ist Jesus!
  • Ich kann ihn in der Menschenmenge kaum erkennen.

  • Warum laufen denn alle zu ihm hin?

  • Ja, hast du denn nicht gehört, was er getan hat? „Er hat den Lazarus aus dem Grab gerufen und ihn vom Tod auferweckt!“

  • Was? Ist das wahr? Los, nichts wie hin!

  • Keine Chance. Da sind solche Massen von Menschen. Wir kommen nicht zu ihm durch.

  • Ich schaffe es. Ich muss ihn sehen!

Pharisäer:

  • Du mit deinem „lasst ihn nur machen“. Jetzt haben wir den Salat. Seht nur, wie sie von allen Seiten geströmt kommen. Die ganze Stadt ist auf den Beinen.

  • Wie sie ihm zujubeln. Widerlich.

  • Und dieses „Hosianna!“. Ich kann es nicht mehr hören.

  • Das Volk ist auf seiner Seite. Wir haben verloren.

  • Deine Idee, ihn anzuklagen, kannst du vergessen. Wenn wir ihn jetzt bei den Römern verklagen, machen wir uns beim Volk nur unbeliebt.

  • „Da merkt ihr, dass ihr nichts machen könnt. Seht doch! Alle Welt läuft ihm nach!“

  • Abwarten.