Archiv

Social Media

@guenterlierschof schrieb:

Unter der Voraussetzung, dass Gott existiert, kann der Mensch Gott nicht töten.
Wenn Kate Bush singt:

Hello earth
Hello earth
With just one hand held up high
I can blot you out
Out of sight
Peek-a-boo,
Peek-a-boo, little earth
bezieht sie sich auf ein Kinderspiel, mit dem Kinder Allmachtsphantasien ausleben: Mit einer Hand kann ich die Sonne auslöschen – oder im Lied von Kate Bush: die Erde. Ebenso lebt Nietzsche die Allmachtsphantasie aus, Gott getötet zu haben. Aber unter der Voraussetzung der Existenz Gottes ist das nicht möglich – ebensowenig, wie das Kind die Sonne oder Kate Bush die Erde „auslöschen“ kann, weshalb sie in der 5. Zeile einschränkt: „out of sight“. Was der Mensch tun kann, ist, Gott aus dem Gesichtsfeld zu entfernen, die Existenz Gottes zu leugnen, mit Gott als einer relevanten Größe nicht mehr zu rechnen usw.
Nietzsche kann diesen Satz also nur metaphorisch gemeint – wofür auch seine überschwängliche Sprache ein Indiz ist – und ihn auf den Tod der Metapher Gott bezogen haben. Für den modernen Menschen ist die Metapher „Gott“ sinnlos geworden. Man kann insofern davon sprechen, dass der Mensch Gott getötet hat, als Gott für das Verständnis der Welt und des Daseins nicht mehr notwendig ist, weil andere Erklärungen gefunden wurden bzw. man sich Fragen wie „Erbsünde“ (= das Dasein des Menschen „zum Tode“) oder „Sünde“ (= die Konstitution des Menschen, sein Menschsein zu verraten) nicht mehr stellt.
Für die Anwendung der Metapher Gott ist es übrigens nicht nötig, dass Gott tatsächlich existiert. „Gott“ kann als eine Art „BlackBox“ dienen, mit deren Hilfe man z.B. Phänomene wie „Sünde“ oder „Erbsünde“ erklären kann.
Advertisements

@adloquii fragte mich nach meiner Meinung zur #NoRadioShow014 zum Thema „Wissenschaft und Religion“, wohl auf dem Hintergrund des Kommentars von @gunterlierschof.

 

@gunterlierschof kritisiert in seinem Blog die „Machtgeilheit“, die „in der Anmaßung zwei Worte, zwei Begriffe zu nehmen, hinter denen sich sehr schwierig zu fassende Phänomene verbergen“, steckt.
Ich kann diese Kritik nicht teilen; ich finde es legitim, „dicke Bretter“ zu bohren, indem man über Begriffe wie „Wissenschaft“ und „Religion“ nachdenkt. Zumal es den drei Diskutanden nicht darum geht, diese Begriffe zu definieren oder zu kritisieren, sondern die Unterscheidung im Blick auf das Thema der #NoRadioShow: die Auswirkungen des Computers auf unser Leben, abzuklopfen.
Aber in einer Hinsicht empfinde ich doch Sympathie für den Vorwurf der Anmaßung, nämlich was die Länge des Podcasts angeht. So gern ich den schweizer Zungenschlag von @laStaempfli und @sms2sms höre, über zwei Stunden Podcast sind eine echte Zumutung. „Ein Pfarrer darf über alles predigen, nur nicht über 20 Minuten“ – diese Regel sollte auch für Podcasts gelten 😉

Ich fand die Unterhaltung trotz ihrer Länge sehr erhellend und habe in meine Mitschrift bereits meine Assoziationen eingetragen. Das, was @laStaempfli kritisch zur Macht der Fiktion sagt, wendet @Ballkultur in seinen Arbeiten ins Positive, indem er von der „kooperativen Webgesellschaft“ als einer Erzählung spricht, die das Internet eben nicht als Bedrohung unserer Existenz sieht, sondern ihm das Potenzial unterstellt, unsere Welt zu retten und zu einer gerechteren Welt zu machen. Ich teile seine Ansicht und glaube, dass die Macht der Fiktion positiv angewendet werden kann, nicht notwendigerweise „Opium für’s Volk“ sein muss, und dass hier ein Potenzial für die „Stories“ (Dietrich Ritschl) der Bibel liegt.

Religion und Wissenschaft sehe ich nicht als Gegensatzpaar. Theologie hat immer Wissenschaft sein wollen. Dass das der Theologie nicht gut getan hat und nicht gut tut, steht auf einem anderen Blatt.
Viel anfangen kann ich mit Diesseits und Jenseits als räumlichen Begriffen. Rilke hat das Nebeneinander dieser beiden Räume in das Bild zweier benachbarter Zimmer gefasst:

„Du, Nachbar Gott, wenn ich dich manches Mal
in langer Nacht mit hartem Klopfen störe, –
so ists, weil ich dich selten atmen höre
und weiß: Du bist allein im Saal.
Und wenn du etwas brauchst, ist keiner da,
um deinem Tasten einen Trank zu reichen:
ich horche immer. Gib ein kleines Zeichen.
Ich bin ganz nah.

Nur eine schmale Wand ist zwischen uns,
durch Zufall; denn es könnte sein:
ein Rufen deines oder meines Munds –
und sie bricht ein
ganz ohne Lärm und Laut.“
(Rilke, Das Stundenbuch)

Hier finde ich auch die von @laStaempfli erwähnte Inkarnation oder Inkorporation des Transzendenten wieder, die freilich fragil ist – es gibt eben den einen Namen nicht, mit dem man Gott „bannen“ könnte. Das wird deutlich in der besonderen Namenlosigkeit Gottes im Judentum: Gott hat einen Namen – יהוה -, aber man darf/kann ihn nicht aussprechen, was zur putzigen Verlesung des Qere perpetuum zu „Jehova“ geführt hat, weil der neugierige Mensch den Namen eben doch aussprechen will, dem Tabu zum Trotz.

Widersprechen möchte ich @laStaempflis Behauptung, Ziel jeder Religion sei die Vorbereitung auf das Jenseits. Nein, Ziel jeder Religion ist das Bestehen des Diesseits. Im Judentum gab es z.B. Strömungen, die den Auferstehungsglauben radikal ablehnten. Und noch heute spielt die Auferstehung m.W. im Judentum keine solche Rolle, wie sie in der Theologie des Paulus spielt. Shalom Ben-Chorin äußerte sich (wenn ich mich richtig erinnere) verwundert darüber, dass die Christen sein Lied „Freunde, dass der Mandelzweig“ so gerne sängen, wo es doch angesichts des Leides nicht aufs den Himmel vertröstet, sondern ganz im Diesseits bleibt:

Das Zeichen

Freunde, dass der Mandelzweig
wieder blüht und treibt,
ist das nicht ein Fingerzeig,
dass die Liebe bleibt?

Dass das Leben nicht verging,
soviel Blut auch schreit,
achtet dieses nicht gering,
in der trübsten Zeit.

Tausende zerstampft der Krieg,
eine Welt vergeht.
doch des Lebens Blütensieg
leicht im Winde weht.

Freunde, dass der Mandelzweig
sich in Blüten wiegt,
bleibe uns ein Fingerzeig,
wie das Leben siegt.

Im Christentum ist der Auferstehungsglaube ein fester Bestandteil des Glaubens und ein Dogma, aber nicht für alle Christ*innen und christlichen Gruppen zentral. Das war früher sicherlich einmal anders, und es gibt christliche Gruppierungen, die die Vorbereitung auf das Jenseits als Ziel ihres Glaubens bezeichnen würden – das gilt meiner Wahrnehmung nach v.a. für viele nordamerikanische Kirchen. Aber gerade in den USA entwickelt sich gerade auch eine sehr diesseitsorientierte kirchliche Arbeit, die sich für sozial Schwache einsetzt oder dafür, der weißen Suprematur etwas entgegenzusetzen: #DecolonizeLutheranism. Insgesamt wird immer mehr erkannt, dass Kirche und Glaube nur eine Zukunft haben, wenn sie gelebt, nicht, weil sie gelehrt, gepredigt und doziert werden.
Man kann durchaus sagen, dass Jesus einen diesseitigen Glauben gelebt hat. Ihm ging es um die Liebe, die keinen Unterschied zwischen Menschen macht – Kollaborateure, Prostituierte, aus der Gemeinde Ausgeschlossene waren seine Freunde; er galt als „Fresser und Weinsäufer“, weil die gemeinsame Mahlzeit mit Menschen aller Klassen und Herkünfte sein „Markenzeichen“ war: daran entschied (und entscheidet) sich, wie ernst man es mit der Liebe meint. Insofern ist Jesus vielleicht der erste, der radikal die Unterscheidung zwischen Diesseits und Jenseits aufgehoben hat, indem er erklärte, das Reich Gottes sei in ihm nahe herbeigekommen. Er hat auch den Tod Gottes vorweggenommen – nicht durch seinen Tod am Kreuz, sondern indem er Gott vom Himmel herabholte und das Heilige komplett profanisierte: Die Gegenwart Jesu ist der Himmel auf Erden, nicht ein Tempel, ein Altar oder ein heiliges Buch. Diese Profanisierung des Heiligen durch Jesus ist heute ein kritisches Instrument gegen den von Walter Benjamin beschriebenen „Kapitalismus als Religion“, der alles „heiligt“, also der Religion unterwirft, indem alles „Ware“ ist oder werden kann. Demgegenüber sind z.B. Kirchen letzte Rückzugsräume vor der Religion des Kapitalismus, weil sie einen Raum bereitstellen, in dem man nicht nach seinem Wert beurteilt wird. Aber auch Kirchen werden inzwischen verkauft …

Ich habe den Eindruck, dass ich dem Podcast mit meinem Kommentar nicht gerecht werde. Ich bin kein Theoretiker, und ich habe nichts von der Literatur gelesen, auf die im Podcast Bezug genommen wird. Ich kann eben nur auf meinem Niveau antworten – ich hoffe, dass @adloquii nicht allzu enttäuscht ist.

Anfrage eine Kollegen:

ich interessiere mich für deine Homepage – du erstellst diese mit wordpress: wie sind dene Erfahrungen – lässt sich das auch als Computer-laie bewältigen?

Ich kann wordpress nur wärmstens empfehlen – wobei es natürlich davon abhängt, was Du von einer Homepage willst und erwartest.
Hier die Gründe, die aus meiner Sicht für WordPress sprechen:

  • es ist kostenlos. Wer mit der domain „kg_xyz.wordpress.com“ zufrieden ist (wobei kg_xyz natürlich für den Namen der Gemeinde steht), kostet die Homepage gar nichts. „Früher“ einmal hieß es, man solle sich „sprechende“ Namen für seine Homepage aussuchen. Aber heutzutage tippt man kaum noch Namen ein, sondern folgt irgendwelchen Links – oder wenn, dann tippt man den Namen max. einmal ein und bookmarkt ihn dann. Für den Anfang würde ich ohnehin mit der kostenlosen Version starten. Später kann man für die Homepage immer noch für rd. 20,- Euro/Jahr eine eigene Domain a la „www.kg_xyz.de“ bestellen. Ein kostenpflichtiges Upgrade ist jederzeit möglich 😉

  • wordpress ist eine Software für Blogs, d.h. es ist für die leichte Erstellung und Veröffentlichung von v.a. Texten, aber auch Bild- und Audio-Dateien optimiert.
    Der Editor, den man im Browser öffnet, hat alles, was man für die Formatierung von Texten braucht; wer mit LibreOffice/OpenOffice, WORD oder PAGES umgehen kann, hat keine Probleme damit. Mit einem Klick ist der Beitrag veröffentlicht.

  • eine „Blogroll“ hat immer den aktuellen Artikel oben, dann folgt eine festgelegte Anzahl von Artikeln (zwischen 3 und 10) darunter; der Rest wird archiviert und ist über die Seitenleiste zugänglich. Damit ist ein Blog sehr gut geeignet, um Veranstaltungen/Nachrichten anzukündigen, weil die aktuellste automatisch oben landet und die alten archiviert werden, aber noch zugänglich sind (weil man mal was nachlesen möchte oder eine Vorlage für den Gemeindebrief braucht).

  • neben dem Blog gibt es auch „statische“ Seiten: Das sind Seiten, die man (ebenfalls mit dem Editor) erstellt und die dann mehr oder weniger unverändert bleiben: Das Impressum (Pflicht!!!), ein Verzeichnis der Anschriften, Ansprechpartner und Gruppen, eine Übersicht der Gottesdienstzeiten und -orte und der Termine (das wären 4 Seiten). Auf diese Seiten kann man im Kopf („Header“) der Seite verlinken, so dass man von dort aus auf die Seiten zugreifen kann.
    Es gibt nur diese beiden Arten von Seiten, d.h. man kann nicht auf zwei statischen Seiten je einen Blog für eine Gemeinde einrichten. Dann sollte man lieber für jede Gemeinde eine eigene Homepage erstellen und die untereinander verlinken – das bringt dann auch höhere Rankings bei den Suchmaschinen, weil der Grad der Verlinkung ein wichtiges Kriterium für die Bewertung der Relevanz einer Seite ist. Je mehr andere Seiten auf eine verweisen, desto wichtiger muss diese sein.

  • wordpress gibt es auch als app für’s Smartphone. Damit kannst Du bequem von unterwegs (z.B. im Pfarrkonvent 😉 etwas posten. Außerdem können Leute, denen Du das zutraust („Redakteure“), Beiträge posten – jeder, der Nutzernamen und Passwort hat, kann Beiträge auf die Seite posten. Das können Fotos oder kurze Texte sein. Damit kannst Du die Gemeinde, v.a. Jugendliche und jüngere Erwachsene, direkt mit einbeziehen, Dir viel Arbeit ersparen und ein Forum schaffen, auf dem Deine Gemeinde(n) zusammenkommen kann (können).
    In diesem Zusammenhang wäre auch die Kommentar-Funktion zu erwähnen: Nutzer können auf Beiträge reagieren, indem sie einen Kommentar schreiben. Du – oder ein anderer Redakteur – schaltet diesen Kommentar frei, wenn er OK ist, d.h. kein SPAM, keine Werbung oder keine beleidigenden/ rassisistischen/ usw. Aussagen enthält. Durch die Kommentare können sich regelrechte Gespräche entwickeln. Oder Du erfährst auf diese Weise, wie Deine Leser „ticken“. Mach Dir aber bitte keine allzu großen Hoffnungen: Die Kommentare, die ich auf meine Texte bekommen habe, kann ich an einer Hand abzählen …

  • wordpress bietet Dir eine Statistik, die Dir anzeigt, von wieviel Leuten welcher Beitrag gelesen wurde, und woher diese Leute kamen (nur Länder anhand der IP-Adressen, keine Orte). Das machen andere Blogs aber auch – und natürlich auch die Anbieter (Provider) von Webseiten.

Ein wichtiger Gedanke vielleicht noch:
Jede Webseite lebt vom Engagement ihrer Betreiber. Je mehr Du dafür gewinnen kannst, an der Webseite mitzuarbeiten, desto erfolgreicher wird sie werden. Immer mehr Leute sehen zuerst auf die Webseite einer Gemeinde, um sich zu informieren oder ein Bild von der Gemeinde zu machen. Damit wird die Webseite zur Visitenkarte. Deshalb: Wenn Du eine Webseite anfängst, musst Du dranbleiben und sie pflegen!

Weiter ist noch wichtig, dass Du Dir keine Wunder erwartest. Es sind zwar eine Menge Leute im Netz, aber sie haben nicht auf Deine Webseite gewartet. Viele Besucher bekommt man nur durch Interaktion, d.h. ich besuche und „like“ die Seiten anderer, dann besuchen und liken sie vielleicht auch meine – vielleicht aber auch nicht. Es dauert einige Zeit, bis man eine „Reputation“ im Netz aufbaut. Präsenz auf Twitter, Instagram, Facebook kann da hilfreich sein. Wenn es Dir nicht auf eine große Zahl von Lesern ankommt und Du Deiner Gemeinde nur eine Möglichkeit anbieten willst, sich zu informieren, kannst Du die Latte viel niedriger hängen. Dann genügt es wirklich, die Seite einigermaßen aktuell zu halten. Aber, wie gesagt: Sollte es Dir gelingen, andere zur Mitarbeit an der Webseite zu bewegen, kann sich daraus durchaus ein kleines Gemeindeaufbauprojekt entwickeln …

#zawlazaw

I. Zur Genese

a) Ein Auftrag

b) Der hebräische Text

c) Die Übersetzung

d) Die avisierte Predigt

e) Die Absage

Deshalb nun statt Predigt ein Podcast über Jesaja 28,7-15

II. Fahrplan:

1) BEFIEHL du deine Wege
und was dein Herze kränkt
der allertreusten Pflege
des, der den Himmel lenkt.
Der Wolken Luft und Winden
gibt Wege, Lauf und Bahn
der wird auch Wege finden,
da dein Fuß gehen kann.

2) DEM HERREN musst du trauen,
wenn dir’s soll wohlergehn;
auf sein Werk musst du schauen,
wenn dein Werk soll bestehn.
Mit Sorgen und mit Grämen
und mit selbsteigner Pein
lässt Gott sich gar nichts nehmen:
es muss erbeten sein.

4) WEG hast du allerwegen,
an Mitteln fehlt dir’s nicht;
dein Tun ist lauter Segen,
dein Gang ist lauter Licht.
Dein Werk kann niemand hindern,
dein Arbeit darf nicht ruhn,
wenn du, was deinen Kindern
ersprießlich ist, willst tun.

und

  • eine phänomenologische Annäherung an den Text: ein poetischer Text; Sprecherwechsel; unklare Bezüge (Gott? der Profet?)

  • Nachdenken über #zawlazaw I: die verschiedenen Bedeutungsebenen (Schule? Gebote?) und warum mir die Sesamstraße einfällt

  • der historische Rahmen: wer ist die „strömende Geissel“? 28,1-6 beschreibt die Endzeit Samarias (727-721 v. Chr.): 724 fällt König Hosea von Assyrien ab, indem er die Tributzahlungen einstellt und diplomatischen Kontakt mit Ägypten aufnimmt. Daraufhin belagern assyr. Truppen Samaria und nehmen sie schließlich ein => Ende des Nordreiches Israel. Die Verse 7ff drohen dasselbe Schicksal Jerusalem an, wenn es sich von Assur ab- und Ägypten zuwendet. Die „strömende Geißel“ ist also Assur in Person Sargon II. Wäre der Ruheplatz (Vers 12) also das Ausharren als assyrischer Vasall, statt sich gegen die herrschende Macht mit einer anderen Macht (Ägypten) zu verbünden?

  • Kinderkram

  • Vom Scheißen auf die Tische https://soundcloud.com/stefan-m-seydel-1/der-morgen-nach-podlog-30: Stefan liegt richtig mit der Annahme von Tischledern

  • Nachdenken über #zawlazaw II: Das Wort wird den Spöttern im Munde herumgedreht und kehrt sich gegen sie als Drohwort => Das (im Munde) herumgedrehte Wort als Schlüssel zum Text? Vers 7: Die Sprecher sind besoffen und verdrehen Wahrheit und Recht; Vers 10: Was der Profet sagt, klingt wie Kindergebrabbel => Vers 12: Gott redet nur noch im Gestammel (“Aus dem Mund der Kleinkinder und Säuglinge hast du eine Macht zugerichtet um deiner Feinde willen“, Psalm 8,3); Vers 15: Die Sprecher bedienen sich #alternativeFacts

  • Schlusslied: Wer nur den lieben Gott lässt walten http://www.liederdatenbank.de/song/1595

1) Wer nur den lieben Gott lässt walten
und hoffet auf ihn allezeit,
den wird er wunderbar erhalten
in aller Not und Traurigkeit.
Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut,
der hat auf keinen Sand gebaut.

2) Was helfen uns die schweren Sorgen,
was hilft uns unser Weh und Ach?
Was hilft es, dass wir alle Morgen
beseufzen unser Ungemach?
Wir machen unser Kreuz und Leid
nur größer durch die Traurigkeit.

6) Es sind ja Gott sehr leichte Sachen
und ist dem Höchsten alles gleich:
Den Reichen klein und arm zu machen,
den Armen aber groß und reich.
Gott ist der rechte Wundermann,
der bald erhöhn, bald stürzen kann.

7) Sing, bet und geh auf Gottes Wegen,
verricht das Deine nur getreu
und trau des Himmels reichem Segen,
so wird er bei dir werden neu;
denn welcher seine Zuversicht
auf Gott setzt, den verlässt er nicht.

III. Der Link zum Predigtcast: http://mixlr.com/güntzel-schmidt/showreel/zawlazaw … 

IV. Berichtigungen

  • Samaria fiel 722 v. Chr., nicht 733

Ein harmloser (?) Hinweis an Stefan M. Seidel (@sms2sms) auf ein Foto, mit dem ein Printmedium (New York Times) versucht, die Social Media zu inkorporieren, führte zu folgendem Gespräch, das in ein Zeigen mündete:

Der zweite Beitrag von Mooseallain beschreibt sehr gut, warum Twitter für manche (auch für mich) ein unentbehrliches Medium geworden ist – und dass es nicht Eitelkeit sein muss, wenn man sich für Retweets und Favs interessiert.

The World of Moose

A dull blog. But necessary for technical reasons. If you’re reading it, it’s very likely that I’ve sent you a link so I don’t have to explain myself on twitter.

Every now and then I like to have a bit of a moan about my beloved twitter website and its apps. Partly because I’m a human man but also because I care about twitter and how it works and also I’ve got nothing better to do.

I recently moaned about the number of promoted tweets (it’s around 1 in 10 for me now) on the native twitter apps. Inevitably I get replies saying „Don’t use it then“ or „Try this app instead“ etc.

Now, the thing is, I know these are well intentioned and meant to be helpful, so thank you for that. However, what they all seem to miss is that we each use and experience twitter in different…

Ursprünglichen Post anzeigen 352 weitere Wörter

Diese Gedanken entwickelten sich in einem Gespräch mit Benny auf seinem Blog: http://blog.debenny.de/2014/09/14/kirche-und-computer-ein-diskussionsbeitrag/. Danke an Benny für diese Kooperation!

Zur meiner Rolle des Pfarrers gehört es, Seelsorger zu sein. Da ich zu der glücklichen Gruppe von Menschen gehöre, die ihr Hobby zum Beruf machen konnte, bin ich „immer“ Pfarrer. D.h., auch wenn ich unter Pseudonym auf Twitter unterwegs bin, lese ich die Tweets auch als Seelsorger. Ein Beispiel dafür ist das, was ich als “Seelsorge auf Twitter” erlebt habe. In einem Fall entwickelte sich tatsächlich ein Seelsorgegespräch, das ausgerechnet von Kollegen ge- bzw. zerstört wurde, die plötzlich schrieben: Hey, kommt alle her, Güntzel führt ein Seelsorgegespräch auf Twitter! Da war es mit der Vertraulichkeit natürlich schlagartig vorbei … Wobei es nicht so war, dass ich nicht selbst im Laufe des Gespräches ein mulmiges Gefühl bekommen hätte und schon den Gesprächspartner daran erinnern wollte, dass alle mitlesen können, was er schreibt. Um in einem vertraulichen Rahmen miteinander zu sprechen, wie er zum Seelsorgegespräch unbedingt gehört, könnte man theoretisch bei Twitter auf DMs ausweichen. Aber ich denke, damit wäre auch ein Gespräch, das sich in der TL anbahnte, erledigt. Also, natürlich muss ich als Seelsorger darauf achten, dass die Vertraulichkeit gewahrt bleibt. Aber auf Twitter geht man ja nicht zum Seelsorger (obwohl ich mich damals explizit als Pfarrer geoutet hatte, was ich heute nicht mehr tue – jetzt muss man sich die Mühe machen, dem Link auf meinen WordPress-Blog zu folgen, um herauszufinden, dass ich Pfarrer bin), sondern es entwickelt sich ein (im weitesten Sinne) seelsorgerliches Gespräch, wenn man bei einem Tweet genau “hinhört”, wenn man versucht und es gelingt, sich in das Gegenüber einzufühlen. Dann kann u.U. schon ein einziger Tweet hilfreich sein. Ich vergleiche diese Erfahrung für mich mit der Krankenhausseelsorge, deren Setting mit dem der Social Media vergleichbar ist:

  1. Keine Privatheit (im Krankenzimmer hört mind. eine/r mit),
  2. nur ein Versuch, das Gegenüber zu verstehen, und
  3. begrenzte Zeit (20 min bzw. einer oder wenige Tweets/ Posts).

Eine Social Media-Seelsorge lässt sich nicht einfach aus bestehenden Seelsorgemodellen übertragen. Man muss sie erst entwickeln, und das schließt Irrtümer mit ein – doch das spricht m.E. nicht dagegen, sich als Seelsorger/in anzubieten. Neben der Empathie, einem liebevollen Interesse für das Gegenüber und einem genauen Lesen (Hinhören) ist für mich eine Erfahrung aus Beerdigungsansprachen wichtig geworden: Ich habe diese Traueransprachen immer sehr persönlich gehalten, dabei aber die Fakten – besonders die „heiklen“ – nur angedeutet, sozusagen kodiert, indem ich Begriffe verwendete, die im Trauergespräch gefallen waren, oder Bilder zeichnete, die denen korrespondierten, die im Trauergespräch eine Rolle spielten (sowohl Metaphern als auch reale Fotos). So war den Freunden und Familienmitgliedern völlig klar, worüber ich sprach, während Außenstehende diese Passagen überhörten oder bestenfalls als “nettes Detail” mitnahmen. Ich meine, dass man in den Social Media ähnliche Codes der Kommunikation entwickeln kann bzw. dass sie schon verwendet werden. Wenn ich als Seelsorger/in (durch sorgfältiges Hinhören – das kostet keine Anstrengung, sondern wird nach einigen Jahren sowieso zur Gewohnheit) solche Codes entdecke, kann ich versuchen, auf sie zu reagieren. Wenn ich Glück habe bzw. mit einiger Erfahrung treffe ich den Code meines Gegenübers, und Verstehen ist möglich, ohne dass mein Gegenüber sich bloßgestellt fühlen muss, weil wir ja in Codes kommunizieren. Ich behaupte also, eine Seelsorge, wie wir sie aus einem Vieraugen-Setting kennen, in den Social Media gar nicht möglich ist. Statt dessen muss und wird sich eine andere Form der Seelsorge entwickeln – wahrscheinlich eine extrem medienspezifische.

Aber ist Seelsorge im Internet überhaupt statthaft, wenn jede/r mitlesen kann – und die Geheimdienste das ja auch ausgiebig tun? Vertraulichkeit im Internet gibt es nicht. Durch Snowdens Enthüllungen ist uns nur bewusst geworden, was die ganze Zeit schon Fakt war, was wir nur nicht wahrhaben wollten oder verdrängt haben, weil die Illusion einer freien Kommunikation und eines Freien Netzes einfach zu verlockend war. Ich bin Jg. 1966 und an der ehem. Grenze zur DDR aufgewachsen. Solange die DDR bestand, war es völlig klar, dass Telefonate und Briefe von und nach “drüben” abgehört oder mitgelesen wurden (oder jedenfalls die Möglichkeit dazu bestand, mit der man zu rechnen hatte). Ich denke, wir wollten damals wie auch nach dem Fall der Mauer nicht wahr haben, dass “unsere” Geheimdienste nicht nur nicht besser sind als die Stasi, sd sogar viel effektiver. Kurz: eine geschützte Kommunikation im Internet wird auf absehbare Zeit nicht möglich sein. Mein Hinweis oben auf die DMs sollte keine Alternative aufzeigen, sd nur illustrieren, dass ein solcher Wechsel des Mediums zum Abbruch des Gesprächs führt. Also haben wir hier eine Crux: es gibt seelsorgerliche – sagen wir mal: – Gelegenheiten z.B. auf Twitter, aber es ist als verantwortungsvolle Seelsorgerin im Blick auf den Gesprächspartner egtl nicht möglich, diese Gelegenheit zu ergreifen. M.E. gibt es drei (sich ergänzende oder bedingende) Lösungen dieser Crux.

a) Der Inhalt des Gesprächs orientiert sich am Medium.

Spätestens seit Snowden schickt niemand wirklich vertrauliche Inhalte übers Internet. Ich jdfs habe mir von Anfang an angewöhnt, alles, was ich im Internet schreibe, auch in den Händen potenzieller Gegner sehen zu können. Die Erfahrung lehrt, dass nicht nur im Internet, sondern sogar in vier-Augen-Gesprächssituationen das Setting eine entscheidende Rolle für die Offenheit des Gegenübers spielt (neben anderen Faktoren wie der Professionalität der Seelsorgerin, Alter, Geschlecht, Vertrautheit usw.): wenn ich mich total sicher fühle, bin ich eher bereit, etwas von mir preiszugeben, als wenn ich fürchte, jmd könnte mithören. Ein Gespräch im Amtszimmer der Pastorin, neben dem, nur durch die geschlossene Tür getrennt, die Sekretärin sitzt, bietet nicht die gleiche Vertraulichkeit wie ein separater Raum in einem anderen Teil des Hauses oder ein Spaziergang im Freien. Will sagen: die Gesprächspartnerin weiß i.d.R. intuitiv, was und wie viel sie mir in diesem bestimmten Setting anvertrauen kann und will. Das entbindet mich nicht von meiner Sorgfaltspflicht und meiner Verantwortung gegenüber der Gesprächspartnerin. Ich meine, man kann dieses Wissen der Gesprächspartnerin aber als regulatives Element beobachten und in Betracht ziehen. Auf Twitter wie den anderen Social Media wird mir i.d.R. niemand etwas mitteilen, das in irgendeiner Weise gegen sie/ihn verwendet werden könnte. Wenn er/sie in der Gefahr steht, es zu tun, muss ich als Seelsorgerin natürlich eingreifen. Evtl. muss man aber auch seine eigenen Erwartungen an das, was in einem Seelsorgegespräch passiert, hinterfragen: Das Spannende ist nicht, was mitgeteilt wird, sondern vielmehr, dass sich die Gesprächspartnerin überhaupt traut, etwas von sich preiszugeben. Der große Schritt der Gesprächspartnerin in der Seelsorge ist nicht die Mitteilung eines für sie beschämenden, kompromittierenden, nachteiligen Sachverhalts. Sondern mir überhaupt etwas Persönliches von sich zu erzählen. Dieser Schritt wiederum, etwas Persönliches von sich preiszugeben, ist in der (scheinbaren) Anonymität des Netzes leichter geworden. Dazu passt, dass die Geheimdienste gar nicht so sehr an den Inhalten unserer Tweets, Posts und Blogeinträge interessiert sind, sd an bestimmten Stichworten, die eine Beobachtung triggern, und v.a. an den Metadaten. Natürlich kann das Eingestehen eines bestimmten Sachverhalts, der für mich nachteilig ist, jederzeit im Netz aufgefunden werden – wenn denn einer danach sucht. Aber in Seelsorgegesprächen geht es i.d.R. nicht um spektakuläre Verbrechen, schräge Fetische oder abwegige Vorlieben, sondern darum, jemanden zu finden, der mir zuhört. Mich ernst nimmt. Meine Fragen, Zweifel, Ängste nicht blöd findet, sondern respektiert. Es geht um Fragen wie: Bin ich ein guter Mensch? Kann ich vor Gott, vor anderen, vor mir bestehen? Natürlich möchte niemand, dass der Chef von solchen Fragen weiß. Aber die Gefahr, dass solche Dinge im Netz gefunden werden, ist m.E. vertret- und kalkulierbar. Doch man muss sich gar nicht erst solchen Gefahren aussetzen, denn die Kommunikation im Netz funktioniert gar nicht im Klartext, sondern verschlüsselt durch Codes, und damit komme ich zu Punkt

b) Kommunikation findet in Codes statt.

Wer sich im Internet bewegt, muss Codes kennen – Codes, die längst Allgemeingut geworden sind. Dazu gehören die Akronyme wie RTFM oder LOL, die Emoticons und Hashtags. Diese Codes sind mehr oder weniger bekannt – man muss sie kennen, wenn man mitreden will (und man kann davon ausgehen, dass die Geheimdienste sie auch kennen). Daneben kodiert aber jede Userin für sich. Gerade auf Twitter mit seinen 140 Zeichen ist es gar nicht anders möglich zu kommunizieren. Ich muss darauf setzen oder zumindest hoffen, dass der eine oder die andere Userin meine Codes entschlüsselt. Die meisten Gesprächspartner, die “erfolgreich” miteinander kommunizieren, kennen sich aus dem RL; das macht es leicht, weil man auf RL-Kommunikation rekurrieren kann und das auch tut. Und es schafft bei denen, die diese Unterhaltungen mitlesen, ein Gefühl des Ausgeschlossenseins, weil man nicht versteht, worüber geredet wird, weil man die verwendeten Anspielungen und Bilder, eben: die Codes, nicht kennt und deshalb nicht mitreden kann. Das geht einem auch so, wenn man ein Mdm oder einen trending topic verpasst hat oder länger nicht auf Twitter präsent war – so, wie man auf dem Schulhof nach einer Krankheit oder einem Auslandsaufenthalt erst wieder “reinkommen” musste. Aber es ist trotzdem – entsprechenden Willen und Erfahrung vorausgesetzt – möglich, zu einer Verständigung zu kommen, selbst wenn man sich überhaupt nicht kennt. Je unterschiedlicher die Kulturkreise, je fremder die Sprache, desto schwieriger wird es, desto größer und häufiger sind die Missverständnisse. Aber das unumgängliche Scheitern so mancher Kommunikation bedeutet nicht deren prinzipielle Unmöglichkeit. Es braucht eben nur viel Frustrationstoleranz … Um noch einmal meine Paranoia zu bemühen: Selbstverständlich ist es möglich, dass auch Schlapphüte sich die Mühe machen, sich in meine Tweets einzulesen und die von mir verwendeten Codes zu lernen und zu entschlüsseln. Aber dann hätten wir echte Stasi-Verhältnisse, dass sich nämlich ein Mitarbeiter des Geheimdienstes dauerhaft mit mir befasst. Das ist denkbar und möglich, aber nicht wahrscheinlich.

c) Anonymität

Die Anonymität im Netz erleichtert, etwas von sich preiszugeben. Wenn ich nicht als Realperson, sondern unter einem Pseudonym und mit einem Avatar im Netz auftrete, lassen sich meine Aussagen nicht auf mich als Realperson zurückverfolgen. Natürlich stellt die Verbindung meiner pseudonymen Äußerungen mit meiner Person für eine geschulte Person keine große Hürde dar, und @ballkultur erkannte mich nach über einjähriger Twitterabstinenz allein durch meine Themen und die Personen, denen ich folgte, wieder. Aber wer es wirklich darauf anlegt, anonym zu bleiben, der wird es zumindest für die „normalen“ User auch sein. M.E. ist die Anonymität i.S. von Trennung zwischen RL-Identität und Netzidentität gar nicht das Entscheidende, also der Versuch, unerkannt und unentdeckt zu bleiben. Sondern sie ist die Maske, die wir durch unsere Internetpersönlichkeit aufsetzen und die es uns ermöglicht, selbst zu bestimmen, wie viel wir von uns zeigen und preisgeben wollen. Die die Möglichkeit bietet, sich jederzeit von Aussagen distanzieren zu können, sie umetikettieren (z.B. als Ironie) oder notfalls auch löschen zu können. Das gibt einem möglichen Gesprächspartner in einem Seelsorgegespräch ein hohes Maß an Sicherheit und schafft den „Raum“, den es braucht, um sich einem anderen Menschen öffnen zu können. Auf der anderen Seite ist die Seelsorgerin ein Mensch, von dem die Gesprächspartnerin zunächst gar nichts näheres wissen will. Sie hat kein Interesse an der Seelsorgerin, weil sie von sich und ihrem Problem berichten möchte. Die Probleme, Fragen, Zweifel, die die Seelsorgerin ja auch hat, will sie nicht wissen, sie gehen sie nichts an. Die Gefühle, Eindrücke, Wahrnehmungen, Gedanken der Seelsorgerin haben heuristische Funktion für die Seelsorgerin, darüber hinaus haben sie im Seelsorgegespräch nichts zu suchen. Auch hier kommt also die Anonymität der Seelsorgesituation entgegen bzw. schafft die Voraussetzung, dass ein seelsorgerlicher Kontakt stattfinden kann. Allerdings kann die Seelsorgerin nicht völlig anonym bleiben: Ihre Professionalität und ihre Vertrauenswürdigkeit sind entscheidend für das Gespräch. Es genügt dabei nicht, sich als Seelsorgerin, also z.B. als Pfarrerin, im Netz zu präsentieren, denn das könnte ja nur ein Avatar sein. Deshalb sind Querverweise – Links – sehr wichtig: Querverweise, die auf andere Orte verweisen, an denen die Seelsorgerin im Netz präsent ist und an denen sich ihre Profession und ihre Vertrauenswürdigkeit zeigen. Im Gegensatz zur Gesprächspartnerin kann die Seelsorgerin also nicht völlig anonym bleiben. Wenn sie auch ihre RL-Identität, ihre Adresse usw. geheim halten kann, muss sie doch zeigen, wer sie ist, wofür sie steht, ob man ihr vertrauen kann, indem sie in den Social Media aktiv ist und dort Spuren hinterlässt.

Die Kehrseite der Anonymität, die Möglichkeit zum Missbrauch, soll hier nicht verschwiegen werden. Wenn mein Gegenüber sich hinter einem Avatar versteckt, kann ich als Seelsorgerin auch auf einen Troll hereinfallen. Das kann sehr frustrierend sein. Ich fürchte, diese Erfahrung wird sich nicht gänzlich vermeiden lassen. Aber die Seelsorgesituationen, die ich in den Social Media bisher kennen gelernt habe bzw. die ich mir vorstelle, sind, wie im Krankenhausbeispiel oben gezeigt, punktuelle Begegnungen. Was nicht heißt, dass einem eine Klientin z.B. als Followerin auf Twitter nicht immer wieder begegnet und die punktuelle Seelsorge zu einer dauerhaften Seelsorgebeziehung werden lassen will. Hier ist es für die Seelsorgerin sehr wichtig, sich abzugrenzen und sich nicht auf eine dauerhafte Seelsorgebeziehung einzulassen. Denn der virtuelle Kontakt kann den RL-Kontakt natürlich nicht vollwertig ersetzen, und die Klientin wird nach Mitteln und Wegen suchen, die Beziehung zu intensivieren oder mehr über die Seelsorgerin herauszufinden. Es muss also von vornherein – oder spätestens nach dem Seelsorgekontakt – deutlich werden, dass es sich um eine einmalige Sache handelt und dass für einen längeren oder dauerhaften Seelsorgekontakt eine Fachperson im RL aufgesucht werden sollte.