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Bibel

Versuch, den Predigttext für den Sonntag Jubilate, 2.Korinther 4,16-18, mit Hilfe der „Laws of Form“ zu analysieren (so gut ich es eben verstehe).

Der griechische Text:
Διὸ οὐκ ἐγκακοῦμεν, ἀλλ’
εἰ καὶ ὁ ἔξω ἡμῶν ἄνθρωπος διαφθείρεται,
ἀλλ’ ὁ ἔσω ἡμῶν ἀνακαινοῦται ἡμέρᾳ καὶ ἡμέρᾳ.
τὸ γὰρ παραυτίκα ἐλαφρὸν τῆς θλίψεως ἡμῶν
καθ’ ὑπερβολὴν εἰς ὑπερβολὴν αἰώνιον βάρος δόξης κατεργάζεται ἡμῖν,
μὴ σκοπούντων ἡμῶν τὰ βλεπόμενα
ἀλλὰ τὰ μὴ βλεπόμενα·
τὰ γὰρ βλεπόμενα πρόσκαιρα,
τὰ δὲ μὴ βλεπόμενα αἰώνια.

Übersetzung:
Darum werden wir nicht müde, sondern,
wenn auch unser äußerer Mensch zugrunde geht,
wird unser inner doch täglich erneuert.
Denn die leichte Last unserer gegenwärtigen Probleme
wirkt für uns eine übermäßige Fülle ewiger Herrlichkeit,
die wir nicht achten auf das Sichtbare,
sondern auf das, was man nicht sehen kann.
Denn das Sichtbare ist vergänglich,
was man aber nicht sehen kann, ist ewig.

Struktur:

außen  -> vergeht
das Sichtbare -> vergänglich
die leichte Last der Probleme

vs.

die Fülle der Herrlichkeit
das Unsichtbare -> ewig
innen -> wird erneuert

These:

Glauben/Religion haben bedeutet, zu unterscheiden.
Wie wäre dann das Spezifische dieser Unterscheidung im Gegensatz zu anderen Unterscheidungen zu bestimmen?

Aus den Reaktionen auf meinen Blogpost auf Twitter, vor allem denen von @RolfTodesco:

habe ich erkannt, dass das, was mich „getriggert“ hat, der erste Satz des Wikipediaartikels über die LoF war: „Der Ausgangspunkt von Spencer-Brown ist die logische Form der Unterscheidung.“ Ich habe festgestellt, dass Paulus Unterscheidungen vornimmt und gedacht, sie ließen sich mit Spencer-Browns Regeln analysieren. Dann habe ich gelernt, dass die Art, wie ich diese Regeln anwenden wollte, eigentlich von Luhmann stammt:

Weitergebracht hat mich die Frage, was das Spezifische der religiösen Unterscheidung ist, und das ist der Rekurs auf die Schrift als Kriterium (in der Form des Kanons sogar in doppelter Weise!). Was dann dieser Versuch konkret „gefruchtet“ hat ist die Erkenntnis, dass der Glaube eine Technik, eine Methode, ist.

Diese Predigt ist dabei herausgekommen.

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Predigt am Karfreitag, 30. März 2018, über Hebräer 9,15.26b-28:

Jesus ist der Vermittler eines neuen Bundes,
damit die zum ewigen Erbe Berufenen die Verheißung empfangen.
Dazu musste Jesus sterben,
um von den zur Zeit des ersten Bundes begangenen Übertretungen zu befreien.
Jetzt aber ist er einmal am Ende der Zeiten erschienen,
um durch das Opfer seiner selbst die Sünden unwirksam zu machen.
Und wie es den Menschen bestimmt ist,
einmal zu sterben, und danach kommt das Gericht,
so ist auch Christus einmal dargebracht worden,
um die Sünden der Vielen zu tragen.
Zum zweiten Mal wird er ohne Sünde denen erscheinen,
die ihn zu ihrer Rettung erwarten.

(eigene Übersetzung)

 

Gliederung der Predigt:

  1. Einleitung:
    Wie bekommt man einen Job?
    – man kann sich bewerben,
    besser: man wird gefragt – passiert leider selten
    => Vermittler hilft: „Vitamin B“
  2. Wie bekommt man einen Job bei Gott (wie kommt man an Gott heran)?
    Problem: deus absconditus
    => Vermittler, der Gott gesehen hat (kennt) -> Gottes Sohn (wer sollte Gott besser kennen?)
  3. Warum muss der Vermittler sterben?
    Wir sind nicht qualifiziert,
    Gutes und Böses sind in uns untrennbar vermischt -> so kann Gott uns nicht gebrauchen.
  4. Trennung (Unterscheidung) ist schöpferisches Handeln Gottes (Gen 1),
    aber wenn Gott das Böse von uns abtrennt,
    sind wir nicht mehr wir selbst (keine Menschen mehr) -> so kann Gott uns auch nicht gebrauchen
  5. Dilemma: Wie können wir gut sein und zugleich Mensch (= wir selbst) bleiben?
    Lösung: Jesus macht die Sünde (= das Böse in uns) unwirksam
  6. Was ist die Wirkung der Sünde?
    Trennung von Gott und den Mitmenschen
    – keine schöpferische Trennung, sondern Zerstörung von Beziehungen
    („das Tischtuch ist zerschnitten“)
  7. Wie überwindet Jesus die Trennung?
    Er opfert sich für unsere Beziehung zu Gott
    -> schrecklicher Gedanke:
    Partner*innen, Kinder opfern sich, um Beziehung zu retten, mit fatalen Folgen
  8. Parallele: Jesus ist genauso ohnmächtig wie Kinder, Partner
    Unterschied: Jesus überlebt das Opfer => es gibt einen neuen Anfang in der Beziehung, und zwar Jetzt = jederzeit
  9. Fazit:
    Gott kann und will uns einen Job geben („uns brauchen“):
    Wir sollen von der Heilung der Beziehung erzählen,
    damit es für die, die hören, ein Jetzt gibt.

 

Hintergedanken

Predigtidee:

Ich bin am μεσίτης, dem „Mittler“, hängen geblieben und fragte mich, was die Rolle einer „Mittlers“ in heutiger Zeit sein könnte, mit deren Hilfe man verstehen könnte, was Jesus „vermittelt“. Dadurch bin ich auf die Jobsuche gekommen und die „connections“, das „Vitamin B“, das man benötigt, um an die begehrte Stelle zu gelangen. Mir gefällt die Ambivalenz des Vermittlers, weil das schon zur menschlichen Verfasstheit überleitet, die gut und böse zugleich ist.

Predigtaufbau:

Die Predigt ist im Grunde eine Homilie, nur, dass ich den Text nicht Vers für Vers abarbeite. Ich habe auch den Kontext VV 16-26a mit aufgenommen, besonders Vers 24, wo Jesus als unser Anwalt vor Gott beschrieben wird – eine andere Facette des Vermittlers.

Der Übergang von der Einleitung zum ersten Gedanken ist natürlich die Berufung, ohne dass ich sie explizit ausspreche. Unser „Job“, unser Beruf bei Gott = Berufung, die für uns Christen über Christus erfolgt als Ruf in die Nachfolge – darum ist er der Jobvermittler. Den Gedanken, dass der (Ver)Mittler sterben muss, finde ich aufregend, denn im Berufsleben sind die Vermittler die Mächtigen, die die Fäden ziehen, Gefälligkeiten erweisen und wieder einfordern. Darum ist es gefährlich, einen Job über „Vitamin B“ zu bekommen. Und darum ist Jesus ein ehrlicher Makler, weil er seine eigene Haut zu Markte trägt.

Ich habe versucht, diesen heiklen Punkt des „Vitamin B“ durch die Vermischung von Gut und Böse im Menschen auszuführen. Dahinter steckt natürlich paulinisches Denken von sarkischem und pneumatischem Menschen, die bei ihm ja keinen Dualismus bilden, sondern eben diese untrennbare Einheit darstellen, die uns Menschen ausmacht, weshalb wir „Christus anziehen“ müssen. Aber das ist natürlich nicht Theologie des Hebr.

Ich freue mich über den Gedanken der Trennung und die Unterscheidung zwischen der göttlich-schöpferischen Trennung, die Lebensraum schafft, und der menschlich-allzu menschlichen Trennung, die Leben einschränkt und be- bzw. verhindert. Er beschreibt m.E. gut, was „Sünde“ bedeutet. Wenn Jesus die Sünde unwirksam macht, hebt er die Trennung auf – aber wie macht er das? Hier ist der Ort für die Kreuzestheologie, und hier war auch die Frage, wie ausführlich dieser Abschnitt geraten kann und soll. Der Hebr löst das Problem mit der Bundestheologie, die er in seine Zeit unter Rückgriff auf das Erbrecht auslegt. Ich habe die theologia crucis um der Verständlichkeit (und der Länge der Predigt) willen extrem verkürzt mit dem Bild der Liebe dargestellt, die sich nicht unterkriegen lässt, und dabei auch das aktuelle Beispiel der Schülerproteste in den USA eingeführt, weil einem daran unmittelbar Ohnmacht wie Macht der Liebe deutlich werden.

Der Predigttitel ist mir erst am Ende eingefallen, als ich den Satz schrieb, dass wir „im Auftrag des Herrn unterwegs“ sind. Da war klar, dass der Titel für den Blog das Originalzitat aus den Blues Brothers sein musste.

 

Hier die fertige Predigt.

Überlegungen zum Predigttext der Reihe IV am 1. Advent, Offenbarung 5,1-14

Vorüberlegungen
(Kommentar: Müller, Ulrich, Die Offenbarung des Johannes, ÖTK 19, Gütersloh, 1984)
Die Offenbarung wendet sich an Christen in einer Verfolgunssituation. Was der Seher Johannes schaut, ist für sie nicht Drohung, sondern gibt ihnen Hoffnung und macht ihnen Mut. Daher die Tränen des Sehers, dass die Endzeit, die ihnen Erlösung und Gerechtigkeit verschaffen wird, nicht in Gang gesetzt wird (durch das Öffnen/ Lesen des Buches).
Die Thronsaalszene knüpft an Jes 6 an; das innen und hinten beschriebene Buch an Ez 2. Im Apparat zur Stelle findet man den Hinweis auf Handschriften, die den Text entweder nach „innen und außen“ oder „vorn und hinten“ korrigieren; „innen und hinten“ ist die ursprüngliche Lesart (mit den besten Textzeugen). Es handelt sich nicht um eine antike Urkunde, ein gefaltetes, gesiegeltes Blatt, dessen Inhalt auf der Außenseite wiedergegeben ist und die durch Erbrechen des Siegels in Kraft gesetzt wird.
Die Hörner des Lammes stehen für Macht; die Sieben ist eine Vollzahl.
Das Lamm sieht aus „wie geschächtet“. Das Schächten ist ein ritueller jüdischer (und muslimischer) Schlachtbrauch, bei dem mit einem scharfen Messer die Halsschlagader des Tieres durchtrennt wird, sodass es vollständig ausbluten kann. Das Lamm trägt also einen (blutigen) Schnitt am Hals.

Übersetzung:
Ich sah: In der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß, war ein Buch, beschrieben von innen und von hinten, das war mit sieben Siegeln versiegelt.
Und ich sah: Ein mächtiger Engel verkündete mit gewaltiger Stimme:
– Wer ist würdig, das Buch zu öffnen und seine Siegel zu brechen?
Aber niemand im Himmel noch auf der Erde noch unter der Erde konnte das Buch öffnen oder gar hineinsehen. Da weinte ich sehr, weil sich niemand würdig fand, das Buch zu öffnen oder gar hineinzusehen. Aber einer der Ältesten sprach zu mir:
– Weine nicht! Du weißt doch, der „Löwe aus dem Stamm Juda“, die „Wurzel Davids“ hat gesiegt und kann das Buch öffnen und seine sieben Siegel.
Und ich sah: Mitten zwischen dem Thron, den vier Tieren und den Ältesten stand ein Lamm, das sah aus wie geschächtet. Es hatte sieben Hörner und sieben Augen – das sind die sieben Geister Gottes, die er über die ganze Welt sendet. Und es kam und nahm es aus der rechten Hand dessen, der auf dem Thron sitzt. Als es das Buch genommen hatte, fielen die vier Tiere und die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem Lamm. Jeder hatte eine Laute und goldene Schalen, die mit Räucherwerk gefüllt waren – das sind die Gebete der Heiligen. Und sie sangen ein neues Lied:
– Würdig bist du, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu brechen, weil du geschächtet bist und hast Gott mit deinem Blut aus jedem Volksstamm, jeder Sprache, jeder Nation und jeder Volksgruppe Menschen freigekauft. Du hast sie unserem Gott zum Königtum und zu Priestern gemacht,  und sie werden über die Erde herrschen.
Und ich sah: Ich hörte die Stimme vieler Engel rings um den Thron, und die Stimmen der Tiere und der Ältesten, und ihre Zahl war Myriaden über Myriaden und Tausend mal Tausend. Sie riefen mit gewaltiger Stimme:
– Würdig ist das Lamm, das geschächtet wurde, an sich zu nehmen die Macht und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob. Und jedes Geschöpf im Himmel und auf der Erde und unter der Erde und auf dem Wasser und alles, was in ihm ist, hörte ich singen:
– Dem, der auf dem Thron sitzt und dem Lamm sei Lob und Ehre und Preis und Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Und die vier Tiere sprachen: Amen. Und die Ältesten fielen nieder und beteten an.
Gliederung der Predigt:
I. Ein Buch, das man nicht lesen kann – ist das überhaupt ein Buch?
Warum weint der Seher?
Bücher, die wir unbedingt lesen wollen:
– das Tagebuch einer anderen
– Kalender/ Notizbuch einer anderen -> uns treibt die Neugier
Der Seher will, dass etwas in Gang gesetzt wird.
Giwi Margwelaschwili: Die Leserin macht eine Geschichte lebendig, setzt Ereignisse in Gang

II. a) Das Buch mit den 7 Siegeln darf nur einer lesen.
Weil er damit etwas in Gang setzt, das erst am Ende der Zeiten geschieht:
das Endgericht
=> Die Gerechten erfahren Gerechtigkeit (das Theodizeeproblem wird gelöst)
=> Die Bitten der Heiligen werden erfüllt (das Problem der Gebetserfüllung wird gelöst)
Warum erst am Ende der Zeiten Gerechtigkeit?
Warum erst am Ende der Zeiten die Erfüllung der Bitten?
Warum herrschen die Christ*innen erst am Ende der Zeiten?

b) Totalitäre Systeme wollen das Ende vor dem Ende.
Der Kommunismus wollte Gerechtigkeit für die Ausgebeuteten durchsetzen.
Der Faschismus wollte Gerechtigkeit für die, die sich benachteiligt/ abgehängt fühlten (darum ist er so interessant und gefährlich für die Anhänger von PEGIDA/ AfD).
Der Terrorismus will Gerechtigkeit für eine bestimmte Gruppe.
Das Ende ist schrecklich (und wird von der Offenbarung auch so beschrieben), weil in dieser Welt Gerechtigkeit nur mit Gewalt durchzusetzen ist.
Die Ungerechten werden (mit allen Mitteln) gestoppt.
Stop bedeutet: Keine Veränderung ist mehr möglich.
Daher das Jesuswort:„Versöhne dich mit deinem Gegner, solange du mit ihm auf dem Weg bist“ (Matthäus 5,25).
=> Gerechtigkeit ist keine abstrakte Größe,sondern die Basis einer Beziehung

c) Deshalb darf nur das Lamm das Buch lesen,weil es nicht Rache will,
(Rache = Gerechtigkeit als Restitution eines früheren status quo)
sondern sich für alle geopfert hat.
(Opfer = Möglichkeit zum Neuanfang, weil die Bilanz ausgeglichen ist und weil der „Wert“ (Anselm v. Canterbury!) des freiwilligen Opfers alle Ansprüche etc. derart weit übersteigt, dass eine Restitution nicht mehr infrage kommt)
=> Ein neues Level der Beziehung ist erreicht.
Justitia ist blind, aber Gerechtigkeit ist parteiisch mit den Schwachen.
Gottes Gerechtigkeit ist barmherzig mit den Schwachen.
Gottes Gerechtigkeit gibt es erst in einem neuen Himmel, einer neuen Erde.
Dort werden die Letzten die Ersten, die Ersten die Letzten sein (wer ist dann der Schwache?)

III. Advent ist der Anbruch der besseren Gerechtigkeit Gottes
noch ist sie nicht da                  )
Wünsche erfüllen sich nicht   ) Das wäre in jeder Hinsicht das Ende
Christ*innen herrschen nicht )
Das eine Buch bleibt verschlossen, aber das andere Buch = die Bibel wird gelesen.
Durch uns werden die bibl. Geschichten lebendig.
Indem sie wir lesen, ist Gottes Neue Welt da, ist das Reich Gottes nahe herbeigekommen.

IV. Paulus: Ihr seid ein Brief/ Empfehlungsschreiben (2.Kor 3,2)
Nicht nur Bücher werden gelesen.
Man kann an Menschen ablesen, woran sie glauben.
Wenn das Reich Gottes uns berührt, reflektieren wir es.
Die Leser*in erweckt Geschichten zum Leben und wird selbst von ihnen bewegt/ verändert.

V. Damit ein Buch gelesen werden kann, muss es geöffnet werden.Damit Geschichten lebendig werden, braucht es Leser*innen.
Am 1. Advent beginnt die Geschichte wieder einmal neu.
Lesen wir sie, damit unsere Welt ein gutes Ende nimmt.

Ein Übersetzungsversuch

Jesus sprach zu den Jüngern:
Es war ein reicher Mann, der hatte einen Manager. Diesen bezichtigte man bei ihm, er verschwende sein Vermögen. Er rief ihn herbei und sprach zu ihm:
– Was hat es mit dem auf sich, was ich über dich höre? Lege Rechenschaft ab über deine Buchführung, denn du kannst nicht mehr mein Manager sein.
Der Manager sagte sich:
– Was soll ich machen, wenn der Herr mir die Verwaltung wegnimmt? Mit den Händen arbeiten kann ich nicht, zu betteln schäme ich mich. Ich weiß, was ich tue, damit sie mich gastlich in ihren Häusern aufnehmen, wenn ich von der Verwaltung abgesetzt bin!
Und er bestellte jeden einzelnen Schuldner des Herrn zu sich. Zu dem erstem sprach er:
– Wieviel schuldest du meinem Herrn?
Er antwortete:
– Hundert Bat Öl.
Er sprach zu ihm:
– Nimm deinen Schuldschein, setz dich gleich hin und schreibe: Fünfzig.
Dann fragte er einen anderen:
– Du, wieviel schuldest du?
Er antwortete:
– Hundert Kor Weizen.
Sagt er zu ihm:
– Nimm deinen Schuldschein und schreibe: Achtzig.
Jesus lobte den ungerechten Manager, weil er klug gehandelt hatte:
– Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts. Ich sage euch: Schafft euch Freunde mit dem ungerechten Besitz, damit, wenn er zu Ende ist, sie euch in die ewigen Behausungen aufnehmen.

Exegetische Entscheidungen:

Der κυριος Vers 8 ist Jesus (so auch die Kommentare).
Das folgende οτι fasse ich als οτι citativum auf, das eine wörtliche Rede einleitet.

Auslegung

IMHO muss man die Perikope im Kontext des 16. Kapitels auslegen, das durch das Gleichnis vom Reichen Mann und armen Lazarus abgeschlossen wird. In beiden Gleichnissen geht es um die Bedingung der Aufnahme in das Reich Gottes, in das „jeder hineindrängt“ (V. 16b).
Die Perikope erschließt sich von Vers 9 (und dem Thema des Vorletzten Sonntags des Kirchenjahres) her, der Frage:
Wie kommt man in den Himmel?
Das Gleichnis antwortet:
Durch Großzügigkeit, die ökonomisch als Verschwendung gewertet wird.

Die Klugheit des Verwalters besteht in seiner Großzügigkeit, die ihm nach Verlust seiner Anstellung ein Auskommen sichert, weil sie die seinem Herrn verpflichteten Schuldner auch ihm gegenüber durch Dankbarkeit verpflichtet.
Entsprechend liegt der Skopus des Gleichnisses auf der Ökonomie: Auf dem „rechten“, d.h. für Christinnen angemessenen Verhältnis zum Besitz (Mammon).

Christinnen können sich nicht so aus der Affäre ziehen wie der Verwalter, weil sie der Tora verpflichtet sind (VV. 10-12.16-18, Schluss des Gleichnisses V. 29). Diese Verpflichtung ist eine Verpflichtung zur Treue „im Geringsten“, aber auch zur Treue gegenüber der Geringsten (Mt 25,40b = den Armen, entsprechend werden die Pharisäer V. 15 wegen ihres Hochmuts/ ihrer falschen Werte getadelt). Christinnen sollen als „Kinder des Lichts“ den „Kindern dieser Welt“ gegenüberstehen.
Für die Christinnen ist der Besitz (Mammon) kein Wert an sich (Luther: „Woran du dein Herz hängst, das ist recht eigentlich dein Gott“), sondern Mittel zum Zweck: Freunde gewinnen (V. 9).
Dahinter steht die Vorstellung, die das Gleichnis vom armen Lazarus ausmalt: Der Zugang zum Reich Gottes hängt für die Reichen von den Taten ab, konkret: Von der Wahrnehmung der Not ihrer Mitmenschen. Während Lazarus in den Himmel kommt, weil er gelitten hat, wäre der Reiche nur hineingekommen, wenn er großzügig gewesen wäre (vgl. Lukas 18,18-27, Kamel und Nadelöhr, und Apg 5,1-11, Hananias und Saphira).

Das Gleichnis hat keine moralische Absicht. Der Skopus liegt in der Größzügigkeit = Verschwendung (vgl. Matthäus 6,3: Großzügigkeit beim Almosengeben). Adressaten sind besitzende Christinnen, denn es wird VV 10-12 eingeschärft, dass es für Christinnen nicht angeht, fremden Besitz zu verschwenden.

Ein Predigtanfang könnte sein, mit dem Nachdenken über Geldanlagen einzusteigen. In Zeiten, in denen es keine Zinsen auf Sparguthaben mehr gibt, wie lege ich da mein Geld am besten an?
An dieser Frage könnte sowohl die Einstellung zum Besitz als auch der verschwenderische Umgang damit als paradoxe Wertschöpfung dargestellt werden.

Hier geht’s zur Predigt, die daraus entstanden ist.

Johannes 12
Das Evangelium in verteilten Rollen.

Menge:

  • Habt ihr schon gehört? Jesus ist auf dem Weg in die Stadt, er kommt nach Jerusalem!

  • Hat er nicht den Lazarus von den Toten auferweckt?

  • Ja, der ist es!

  • Wer so etwas tun kann, muss übernatürliche Kräfte haben.

  • Ja, natürlich: Jesus ist der Sohn Gottes!

  • Worauf warten wir dann noch? Nichts wie hin! Wir laufen ihm entgegen.

  • Nicht nötig, da kommt er schon!

  • Wo? Ich sehe ihn nicht.

  • Da hinten. Er reitet auf einem Esel.

  • Ist der Esel ausgewachsen, oder ist es ein Jungtier?

  • Wieso? Ist das wichtig?

  • Ja, kennst du denn die Weissagung nicht? Auf einem Eselsfohlen zieht der Messias als König in Jerusalem ein!

  • Es ist ein junger Esel.

  • Dann ist Jesus der Messias!

  • Hurra! Jesus, du bist unser König! Hosianna!

  • Hosianna! Hosianna!

  • Wir wollen den Messias empfangen, wie es sich für einen König gehört.

  • Wir rollen einen roten Teppich für ihn aus!

  • Wo nehmen wir den so schnell her?

  • Wir reißen Zweige von den Palmen ab und streuen sie auf den Weg.

  • Wir legen unsere Jacken und Mäntel auf den Weg, das ist wie ein Teppich.

  • Stimmt alle in unser Loblied ein: Gelobt sei, der im Namen des Herrn kommt! Er ist der König Israels! Hosianna!

Jünger:

  • Was macht Jesus denn da?
  • Er will sich wohl einen Esel ausleihen.

  • Wozu? Er geht doch sonst immer zu Fuß.

  • Keine Ahnung. Sieh mal, jetzt setzt er sich drauf.

  • Er gibt uns ein Zeichen: Wir sollen alle mitkommen.

  • Er will auf dem Esel in Jerusalem einziehen!

  • Oh, das wird Ärger geben!

  • Wieso sollte es Ärger geben?

  • Ja, kennst du etwa nicht die Bibelstelle: „Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Sieh doch: Dein König kommt! Er sitzt auf dem Jungen einer Eselin.“

  • Du meinst, Jesus will sich zum König machen? Das glaube ich nicht!

  • Und wenn doch?

Pharisäer:

  • Da kommt dieser Jesus.
  • Seht nur, was er tut: Er reitet auf einem Eselsfohlen ein!

  • Unerhört! Er macht sich selbst zum Messias! Das ist Gotteslästerung!

  • Lasst ihn nur machen. Endlich haben wir eine Möglichkeit, ihn anzuklagen.

  • Die Römer werden es nicht dulden, dass einer sich zum König erklärt.

Menge:

  • Seht, da hinten ist Jesus!
  • Ich kann ihn in der Menschenmenge kaum erkennen.

  • Warum laufen denn alle zu ihm hin?

  • Ja, hast du denn nicht gehört, was er getan hat? „Er hat den Lazarus aus dem Grab gerufen und ihn vom Tod auferweckt!“

  • Was? Ist das wahr? Los, nichts wie hin!

  • Keine Chance. Da sind solche Massen von Menschen. Wir kommen nicht zu ihm durch.

  • Ich schaffe es. Ich muss ihn sehen!

Pharisäer:

  • Du mit deinem „lasst ihn nur machen“. Jetzt haben wir den Salat. Seht nur, wie sie von allen Seiten geströmt kommen. Die ganze Stadt ist auf den Beinen.

  • Wie sie ihm zujubeln. Widerlich.

  • Und dieses „Hosianna!“. Ich kann es nicht mehr hören.

  • Das Volk ist auf seiner Seite. Wir haben verloren.

  • Deine Idee, ihn anzuklagen, kannst du vergessen. Wenn wir ihn jetzt bei den Römern verklagen, machen wir uns beim Volk nur unbeliebt.

  • „Da merkt ihr, dass ihr nichts machen könnt. Seht doch! Alle Welt läuft ihm nach!“

  • Abwarten.

Es ist gar nicht so leicht, sich ein Passwort auszudenken. Mittlerweile hat es sich herumgesprochen, dass „Passwort“ gar nicht geht, auch „12345“ nicht. Viele Webseiten zwingen durch die Vorgabe einer Mindestanzahl an Zeichen und der Verwendung von Zahlen, Großbuchstaben und Sonderzeichen die Nutzer dazu, ein sicheres Passwort zu wählen. Das ist gut und richtig so – aber wie soll man sich so ein Passwort merken?

Bibelleser*innen sind da ganz klar im Vorteil. Eine Bibelstelle wie 1.Mose 1,1 erfüllt nämlich alle Vorgaben:

  • sie enthält Zahlen und Buchstaben
  • sie verwendet Klein- und Großschreibung und
  • sie verwendet Sonderzeichen (hier: das Komma und die Leertaste)

Bibelstellen lassen sich leicht merken – wenn es ein Bibelwort ist, das einem etwas bedeutet wie der Tauf-, Konfirmations- oder Trauspruch. Man kann aber auch die Tageslosung nehmen und sich im Losungsheft notieren, für welche Webseite man diese Bibelstelle benutzt hat.

Schön und gut, mag man einwenden. Aber durch meinen Post habe ich doch jetzt den Trick verraten. Die nötige kriminelle Energie (bzw. Programmierkenntnisse) vorausgesetzt, könnte ein Angreifer einfach alle Bibelstellen durchprobieren, um mein Passwort zu knacken. Da die Bibelstellen endlich sind und sie einem festen Schema folgen, wäre so ein Angriff nicht schwer zu programmieren.

Das stimmt. Aber allein für die Bibelstelle 1.Mose 1,1 gibt es eine ganze Reihe üblicher Schreibweisen; ein Angreifer müsste erst einmal wissen, welche ich benutze:

Genesis 1,1
Gen 1,1
1.Mose 1,1
1.Mose 1:1
1.Mose, Kapitel 1, Vers 1
Bereschit 1,1 usw.

Wer noch einen höheren Grad an Sicherheit sucht, kann einen absichtlichen Fehler in die Bibelstelle einbauen, also z.B.

Gennesis 1,1
Gene$is 1,1
1.Mose EinzEinz
1.Mohse I,i usw.

Damit sollten unsichere Passwörter im Pfarramt der Vergangenheit angehören 😉

#zawlazaw

I. Zur Genese

a) Ein Auftrag

b) Der hebräische Text

c) Die Übersetzung

d) Die avisierte Predigt

e) Die Absage

Deshalb nun statt Predigt ein Podcast über Jesaja 28,7-15

II. Fahrplan:

1) BEFIEHL du deine Wege
und was dein Herze kränkt
der allertreusten Pflege
des, der den Himmel lenkt.
Der Wolken Luft und Winden
gibt Wege, Lauf und Bahn
der wird auch Wege finden,
da dein Fuß gehen kann.

2) DEM HERREN musst du trauen,
wenn dir’s soll wohlergehn;
auf sein Werk musst du schauen,
wenn dein Werk soll bestehn.
Mit Sorgen und mit Grämen
und mit selbsteigner Pein
lässt Gott sich gar nichts nehmen:
es muss erbeten sein.

4) WEG hast du allerwegen,
an Mitteln fehlt dir’s nicht;
dein Tun ist lauter Segen,
dein Gang ist lauter Licht.
Dein Werk kann niemand hindern,
dein Arbeit darf nicht ruhn,
wenn du, was deinen Kindern
ersprießlich ist, willst tun.

und

  • eine phänomenologische Annäherung an den Text: ein poetischer Text; Sprecherwechsel; unklare Bezüge (Gott? der Profet?)

  • Nachdenken über #zawlazaw I: die verschiedenen Bedeutungsebenen (Schule? Gebote?) und warum mir die Sesamstraße einfällt

  • der historische Rahmen: wer ist die „strömende Geissel“? 28,1-6 beschreibt die Endzeit Samarias (727-721 v. Chr.): 724 fällt König Hosea von Assyrien ab, indem er die Tributzahlungen einstellt und diplomatischen Kontakt mit Ägypten aufnimmt. Daraufhin belagern assyr. Truppen Samaria und nehmen sie schließlich ein => Ende des Nordreiches Israel. Die Verse 7ff drohen dasselbe Schicksal Jerusalem an, wenn es sich von Assur ab- und Ägypten zuwendet. Die „strömende Geißel“ ist also Assur in Person Sargon II. Wäre der Ruheplatz (Vers 12) also das Ausharren als assyrischer Vasall, statt sich gegen die herrschende Macht mit einer anderen Macht (Ägypten) zu verbünden?

  • Kinderkram

  • Vom Scheißen auf die Tische https://soundcloud.com/stefan-m-seydel-1/der-morgen-nach-podlog-30: Stefan liegt richtig mit der Annahme von Tischledern

  • Nachdenken über #zawlazaw II: Das Wort wird den Spöttern im Munde herumgedreht und kehrt sich gegen sie als Drohwort => Das (im Munde) herumgedrehte Wort als Schlüssel zum Text? Vers 7: Die Sprecher sind besoffen und verdrehen Wahrheit und Recht; Vers 10: Was der Profet sagt, klingt wie Kindergebrabbel => Vers 12: Gott redet nur noch im Gestammel (“Aus dem Mund der Kleinkinder und Säuglinge hast du eine Macht zugerichtet um deiner Feinde willen“, Psalm 8,3); Vers 15: Die Sprecher bedienen sich #alternativeFacts

  • Schlusslied: Wer nur den lieben Gott lässt walten http://www.liederdatenbank.de/song/1595

1) Wer nur den lieben Gott lässt walten
und hoffet auf ihn allezeit,
den wird er wunderbar erhalten
in aller Not und Traurigkeit.
Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut,
der hat auf keinen Sand gebaut.

2) Was helfen uns die schweren Sorgen,
was hilft uns unser Weh und Ach?
Was hilft es, dass wir alle Morgen
beseufzen unser Ungemach?
Wir machen unser Kreuz und Leid
nur größer durch die Traurigkeit.

6) Es sind ja Gott sehr leichte Sachen
und ist dem Höchsten alles gleich:
Den Reichen klein und arm zu machen,
den Armen aber groß und reich.
Gott ist der rechte Wundermann,
der bald erhöhn, bald stürzen kann.

7) Sing, bet und geh auf Gottes Wegen,
verricht das Deine nur getreu
und trau des Himmels reichem Segen,
so wird er bei dir werden neu;
denn welcher seine Zuversicht
auf Gott setzt, den verlässt er nicht.

III. Der Link zum Predigtcast: http://mixlr.com/güntzel-schmidt/showreel/zawlazaw … 

IV. Berichtigungen

  • Samaria fiel 722 v. Chr., nicht 733