Gottesdienstbegleiter

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So sieht einer meiner „Gottesdienstbegleiter“ aus.

Ich habe viele Diskussionen um diese Zettel erlebt. Das Hauptargument gegen die Gottesdienstbegleiter war „Papierverschwendung“. In der oben gezeigten Gestaltung erhalte ich aus einer DIN A 4-Seite zwei Zettel; bei einem Gottesdienstbesuch von 20 Personen sind das 10 Blatt Papier. Ich kann diese Papiermenge verantworten, zumal ich die Zettel oft „schnell mal eben“ am eigenen Drucker ausdrucke und so der Gemeinde die Kosten für Papier und Druck erspare.

Warum benutze ich Gottesdienstbegleiter?

a) Mir ist es wichtig, dass jede* den Gottesdienst mitfeiern kann. Ich habe noch keine Gemeinde erlebt, die so liturgiesicher war, dass man auf jeden Hinweis hätte verzichten können. Dagegen erlebe ich oft, dass Gäste im Gottesdienst sind, oder dass „Neue“ kommen. Ich möchte, dass jede* genau weiß, was sie erwartet und was als nächstes kommt, gemäß des ersten der sieben „Massgeblichen Kriterien“ des Evangelischen Gottesdienstbuches (EGb), dass Gottesdienst „Sache der ganzen Gemeinde“ ist:

„Der Gottesdienst wird unter der Verantwortung und Beteiligung der ganzen Gemeinde gefeiert.“ (EGb, S. 15)

Übrigens sind auch die anderen sechs Kriterien lesens- und bedenkenswert 😉

b) Liturgie ist für mich keine Vorschrift, die man in immer gleicher Weise abarbeitet, sondern ein lebendiges Eingehen auf das und Umgehen mit dem Proprium des Sonntages. Das EGb liefert gute Beispiele, wie einzelne Elemente der Liturgie dem Anlass/ dem Anliegen des Sonntages angepasst werden können (ab S. 36, vgl. die Beispieltabellen auf S. 40 („Eröffnung und Anrufung“, S. 45 („Verkündigung und Bekenntnis“), S. 49 („Sendung und Segen“). Ich finde es wichtig, diese Möglichkeiten immer wieder zu nutzen. Dabei hilft der Gottesdienstbegleiter, weil ich so Änderungen leicht vermitteln kann, ohne dass ich den Gottesdienst mit langen Erläuterungen und Ansagen stören muss.

c) Gottesdienst ist nicht in erster und zweiter Linie, aber auch eine pädagogische Veranstaltung. Mit der Feier des Gottesdienstes „lernt“ die Gemeinde Liturgie. Dieses Lernen unterstütze ich, indem ich z.B. sehr genaue Anweisungen gebe („Wir erheben uns …“), auch wenn diese für regelmäßige Gottesdienstbesucher*innen unnötig wären.
Auf diese Weise kann man auch behutsam versuchen, eingeschliffene Fehler zu korrigieren, wenn z.B. beim Gloria in Excelsis „den Menschen ein Wohlgefallen“ gesungen wird, statt richtig „den Menschen sein Wohlgefallen“ (vgl. Lukas 2,14), wobei sein für seines Wohlgefallens steht, weshalb ich hinter sein‘ ein Apostroph setze, um die ausgefallene Genitiv-Endung zu markieren. Ein anderer, beliebter Fehler wird bei der Salutatio gemacht: Man singt „… und mit seinem Geist“ statt richtig „… und mit deinem Geist“.

d) Pädagogische Aufgabe der Liturg*in ist es, die Gemeinde mündig zu machen und sie in die Lage zu versetzen, den Gottesdienst im Prinzip selbst feiern zu können. Gerade angesichts der Pfarrstellenentwicklung ist es wichtig, der Gemeinde die Angst vor der Mitwirkung im Gottesdienst zu nehmen bzw. sie anzuleiten und zu ermutigen, den Gottesdienst selbst zu verantworten. Dazu gehört neben Lektorendiensten und der Einbeziehung der Gemeinde durch Wechselgesänge und Gebetsrufe auch der Gottesdienstbegleiter, der deutlich macht, dass Gottesdienst kein „Geheimnis“ ist und auch nicht „Chefsache“, sondern, wie es das erste massgebliche Kriterium sagt, Sache der ganzen Gemeinde.

In diesem Zusammenhang mache ich sehr gute Erfahrungen damit, dass ich das Fürbittengebet unter den Gottesdienstbesucherinnen verteile. Jede bekommt eine Bitte, die ich vorher durchnummeriert habe, und wir sprechen die Fürbitten aus den Bänken. Alternativ kann man ein Gesangbuchlied als Fürbittengebet mit der Gemeinde sprechen – viele Lieder des Evangelischen Gesangbuchs (EG) sind zugleich Gebete. Dazu eignen sich z.B.:

EG 248 Treuer Wächter Israel
EG 252 Jesu, der du bist alleine
EG 334 Danke (als Dankgebet)
EG 344 Vaterunser (Auswahl!)
EG 347 Ach bleib mit deiner Gnade
EG 404 Herr Jesu, Gnadensonne
EG 414 Lass mich, o Herr, in allen Dingen
EG 419 Hilf, Herr meines Lebens
EG 423 Herr, höre, Herr, erhöre (Auswahl!)
EG 424 Deine Hände, großer Gott
EG 425 Gib uns Frieden jeden Tag
EG 428 Komm in unsre stolze Welt
EG 430 Gib Frieden, Herr, gib Frieden

e) Zu guter letzt finde ich es unbarmherzig, wenn Liturginnen und Kirchenälteste erwarten, dass Texte wie das Glaubensbekenntnis oder das Vaterunser auswendig gekonnt werden. Ich finde auch, dass man zentrale Texte des Glaubens „by heart“ kennen sollte – aber nicht, weil man das von einer Gläubigen* so erwarten muss, sondern weil sie eben für den Glauben eine ganz zentrale Rolle spielen und durch ständiges Wiederholen gelernt und gekonnt werden. Wenn man aber diesen Maßstab an alle Gottesdienstbesucher*innen anlegt, handelt man unbarmherzig bzw. schließt jene aus, die den Glauben erst kennen lernen möchten oder die nicht so regelmäßig in den Gottesdienst kommen. Insofern halte ich eine Hilfestellung, wie sie das EG ja auch bietet (allerdings muss man sich dazu ein bisschen auskennen) theologisch für geboten. Die muss nicht durch Gottesdienstbegleiter, sondern kann z.B. auch durch Einleger im Gesangbuch erfolgen, auf denen die übliche Liturgie mit den Texten und Weisen abgedruckt ist.

Links zu den Gottesdienstbegleitern:

Gottesdienstbegleiter_Vorlage.odt – OpenOffice/LibreOffice-Dokument
Gottesdienstbegleiter_Vorlage.ott  – OpenOffice/LibreOffice-Dokumentvorlage
Gottesdienstbegleiter_Vorlage.docx – WORD-Dokument
Gottesdienstbegleiter_mitNoten.odt  – OpenOffice/LibreOffice-Dokument
Gottesdienstbegleiter_mitNoten.ott  – OpenOffice/LibreOffice-Dokumentvorlage
Gottesdienstbegleiter_mitNoten.docx  – WORD-Dokument

Schriftart: Arial
Die Noten sind aus dem bayerischen EKG eingescannt.

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