Meine 5 Cent zur Wahl Donald Trumps

Im Jahr 2012 hielt der Kabarettist Georg Schramm eine Rede aus Anlass einer Preisverleihung:

Es geht letztlich ums Kämpfen, ob wir wollen oder nicht. Wir befinden uns in einem Art Kriegszustand. Ich halte dies nicht für übertrieben. (…) Jetzt ist die Frage, wer kämpft gegen wen. Hier gebe ich Ihnen eine Antwort von berufenem Mund: Warren Buffett hat das unmissverständlich beantwortet. Falls Sie ihn nicht kennen; Warren Buffett zählt mit grob geschätzten 50 Milliarden Dollar zu den Top-5 Besitzern auf der Welt. Einer der ganz großen Oligarchen. Auf die Frage, was er für den zentralen Konflikt unserer Zeit hält, hat Warren Buffet gesagt:

Der Klassenkampf natürlich, Reich gegen Arm, und meine Klasse, die Reichen, die gewinnen gerade.’

Ist doch schön, dass einer einmal nicht darum herum redet. Er nennt es einfach beim Namen.“

Jan Pfaff kommentiert in „der Freitag“:

Donald Trump [ist] entgegen der Erwartung der meisten Demoskopen, entgegen der offiziellen Empfehlungen praktisch jeder Zeitungsredaktion der USA und einem Großteil des Establishments seiner eigenen Partei tatsächlich zum nächsten US-Präsidenten gewählt worden. Trump im Weißen Haus, das ist eine weltweite Erschütterung. Das schafft aber vor allem auch für die Menschen in der US-Gesellschaft eine neue Realität, die sich noch nie über den Verlust von Privilegien beschweren konnten, weil sie immer vollauf damit beschäftigt waren, gegen reale Benachteiligungen zu kämpfen.

Einen offen rassistisch argumentierenden, frauenverachtenden und Menschen mit Behinderung mobbenden Mann im Oval Office sitzen zu haben, ist ein Albtraum für jeden halbwegs aufgeklärten Menschen. Für Schwarze, Muslime, Migranten, … Menschen mit Behinderung und die meisten Frauen ist es aber ein Schlag in die Magengrube, den man körperlich zu fühlen meint.“

Wir sind im Krieg.
Damit meine ich nicht die weltweiten Kriege, die trotz der Erfahrungen des 2. Weltkriegs, trotz Vietnam und Afghanistan immer noch geführt werden.
Ich meine einen Krieg, der im Stillen geführt wird. Ein Krieg, der kaum Spuren hinterlässt. Man hört keine Schüsse, keine Explosionen. Es rücken keine Soldaten in zerbombte Städte ein. Aber ab und zu wird ein kleines, ertrunkenes Kind an einem Strand am Mittelmeer angespült.

Im Krieg spricht man von „Kollateralschäden“. Das sind Unbeteiligte, die getötet werden, weil die intelligenten Fernlenkwaffen doch nicht so schlau sind, dass sie Soldaten von Zivilisten unterscheiden können; weil die Soldaten, die von Amerika aus die Drohnen steuern, die über Syrien oder dem Irak kreisen, mit den Kameraaugen der Drohen doch nicht so genau erkennen können oder wollen, wen oder was sie da angreifen.

Die Toten an den Stränden des Mittelmeeres starben nicht bei einer gewaltsamen Auseinandersetzung. Sie ertranken, weil Europa seine Grenzen für Flüchtlinge geschlossen hat.

Wir sind im Krieg. Im Krieg Reich gegen Arm.
Und wir sind Partei in diesem Krieg. Unser Land steht auf der Seite der Reichen, obwohl es auch bei uns mehr als genug Menschen gibt, die Opfer dieses Krieges geworden sind. Und jeden Tag kommen neue Opfer dazu:
Menschen, die noch nicht alt genug sind für die Rente, aber zu alt für den Arbeitsmarkt. Menschen, die in den entvölkerten Dörfern Mecklenburg-Vorpommerns und Sachsen-Anhalts ausharren, in denen es kaum noch Jugendliche und Kinder gibt, weil die alle weggezogen sind, der Arbeit hinterher; Dörfer, die keinen Fleischer, keinen Bäcker, keinen Laden mehr haben, keine Kirchgemeinde, keine Schule, keinen Kindergarten.

So, wie bei uns geht es auch den Menschen in den USA. Nur ist dort alles noch größer und schlimmer. Denn dort gibt es keinen Sozialstaat, und bald auch keine Krankenversicherung mehr. Wenn man sich fragt, warum viele Menschen, die keine Zukunft haben, keine Hoffnung für sich sehen, trotzdem Trump gewählt haben, dann muss man sich nur vor Augen führen, dass die Schwachen sich stark fühlen, wenn sie einen Schwächeren haben, auf dem sie herumtrampeln können. Das hat schon im Nationalsozialismus geklappt. Es funktioniert immer wieder.

Trump hat den armen, abgehängten weißen Männern das Gefühl gegeben, besser zu sein als die Schwarzen, besser zu sein als die Frauen, besser zu sein als all die „andersartigen“ Menschen in ihrem Land: Homosexuelle, oder Muslime, oder Einwanderer. Dafür können sie sich nichts kaufen, aber sie vergessen dadurch das Gefühl der Wertlosigkeit, das Gefühl, abgehängt zu sein: Sie sind wieder wer.

Solche Menschen leben auch mitten unter uns. Auch unter uns könnte ein Demagoge wie Donald Trump viele Stimmen gewinnen. Es passiert ja schon, dass politische Gruppierungen mit den selben Mitteln wie Trump Menschen ohne Zukunft begeistern, indem sie ihnen vorgaukeln, dass sie „was Besseres“ sind, dass sie über anderen Menschen stehen – über denen, die „anders“ sind.

Früher dachte man: Mit Bildung kommt man weiter. Wenn man den sozial Schwächeren die Ideale des Humanismus nahe bringt, wenn Schulen und Kirchen gemeinsam Menschlichkeit lehren, werden alle Menschen besser. Aber diese abgehängten Menschen wollen gar nicht so sein wie wir. Sie verachten unser „Gutmenschentum“ so, wie die Nationalsozialisten Mitleid, Nächstenliebe und Menschlichkeit als „Schwäche“ und „Weichheit“ verächtlich machten.

Und, wenn wir ehrlich sind: Wir wollen mit solchen Leuten auch nichts zu tun haben. Wir wollen unter unseresgleichen bleiben, unter Menschen mit Herz und Verstand, Menschen, die mitleiden und mitfühlen können, Menschen, die sich an einem Choral von Bach erfreuen, an einem Gedicht, an Schönheit, Weisheit und Güte.

 

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