Content is King

Die Reformation war nicht nur eine mediävale, sondern auch eine mediale Revolution: die Erfindung des Buchdrucks fiel auf denkbar fruchtbarste Weise mit Luthers auf deutsch verfassten reformatorischen Schriften zusammen. Das neue Medium Buchdruck brauchte Inhalte, die die Leute lesen wollten. Luther lieferte eine aufregend neue Theologie, die er nicht nur in gelehrtem Latein, sondern auch in einer Sprache abfasste, die er dem Volk vom Maul abgelauscht hatte. Es war eine win-win-Situation: Die Buchdrucker verdienten sich an Luthers Schriften dumm und dusselig, während sie gleichzeitig Luthers Reformation im ganzen römischen Reich deutscher Nation verbreiteten.

Wir sind heute wieder Zeuginnen und Zeugen einer medialen Revolution: das Web 2.0 und die Social Media eröffnen eine Welt des Kommunizierens und Publizierens. Erfinder neuer Medien wie Facebook oder Twitter verdienen sich dumm und dusselig. Auch diese mediale Revolution ist gierig nach Inhalten. Aber Kirche kann nicht liefern. Ausgerechnet jetzt, wo die Verbreitung der „Guten Nachricht“ nichts kostet, wo das Evangelium viral werden könnte, fehlt es der Kirche an Leuten, die es in die Sprache bringen können, die das Volk heute spricht.

Woran liegt das? Meine These: Kirche hat sich allein auf die akademische Theologie und die Fakultäten verlassen. Theologie – das war eine Sache für’s Studium, für die Fachleute. Wer als Pfarrerin und Pfarrer von der Uni ging, ließ auch die Theologie hinter sich. Im Pfarrberuf war Praxis gefragt, keine Theorie; da ging es um Konzepte und Programme; die Frage, wie der Glaube mit dem Alltag ins Gespräch kommt, würde sich schon nebenbei ergeben.

Hat sie aber nicht. Pfarrerinnen und Pfarrer sind – Ausnahmen bestätigen die Regel – theologisch sprach- und einfallslos geworden. In der Überzeugung, Menschen seien durch Angebote und Events für die Kirche zu gewinnen, vernachlässigten sie ihre theologische Arbeit. Die Angebote und Events, die Kirche vorzuweisen hatte, konnten aber immer weniger mit dem mithalten, was sonst so geboten wurde und wird. Es war nicht mehr vermittelbar, warum man ausgerechnet zu einem Vortrag, einem Konzert, einem tollen Gottesdienst in die Kirche kommen sollte, wenn einem das Fernsehen ein viel besseres und gediegeneres Programm lieferte.
Als Pfarrerinnen und Pfarrer sind wir super im Organisieren, Planen, Managen und Verwalten. Aber wenn wir in einem Blog, auf Tumblr oder Twitter sagen sollen, was z.B. „Glaube“ heißt, fallen uns nur die Floskeln ein, die wir uns mal angelesen haben. Wir haben es nicht geschafft, die theologischen Begriffe und Denkmodelle in die moderne Alltagssprache zu übersetzen und sie mit den Mitteln der neuen Medien zu sagen.

Eine mediale Revolution ist im Gange. Kirche könnte sie nutzen, um ihre Botschaft unters Volk zu bringen. Dazu müsste sie von der Verwaltung des Mangels weg- und auf die Kapazitäten hinschauen, die Pfarrerinnen und Pfarrer so lange haben brach liegen lassen. Wir brauchen keine neuen Programme und Projekte, wir brauchen Inhalte. Pfarrerinnen und Pfarrer ins www!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: