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Archiv für den Monat Oktober 2013

@AkensidePress posted a dictum of St. Benedict that provoked my contradiction:
https://twitter.com/akensidepress/status/390072863115710464
https://twitter.com/seiningen/status/390083406367039488

@AkensidePress then made the mistake to ask why:
https://twitter.com/akensidepress/status/390096972054396928

So here’s why:

St. Benedict suggests that the Lord’s prayer, said twice daily, cleanses faults. To me this sounds like a prescription, or like „brush your teeth at least twice a day“. I feel uncomfortable that a prayer, especially the Lord’s prayer, should be used in a similar way.
Well, why shouldn’t a prayer be used in this manner, especially, if it is prescribed by a saint – a saint who knows what he’s talking about?

1) Jesus introduces His prayer because he doesn’t want his followers to pray using „vain repetitions, as the heathen do: for they think that they shall be heard for their much speaking“ (Mt 6:7 KJV). The greek verb translated as „vain repetitions“, battalogéo, is very rare and therefore hard to define. It’s probably derived from words like báttalos which means „stammerer“. It therefore describes the repetition of meaningless syllables. So Jesus could either have wanted his followers to use a short prayer instead of making too many words, or he could have wanted them to pray „by heart“, to think about what they are saying. But according to Ulrich Luz (in his commentary on Matthew, EKK I/1, pp 430-432), neither is the case, because the Logion continues v. 8: „your Father knoweth what things ye have need of, before ye ask him“ (KJV). Luz therefore concludes: „The main theme of our logion is not length, but God’s answer to the prayer.“ (431) God’s love is with his people before they ask him (compare Is 65:24).

It’s an interesting fact (that leads away from our theme a bit) that Mat 6:7-8 is kind of opposing 1Thess 5:17, where the apostle asks his readers to „pray without ceasing“. That’s worth considering – in another blogpost … But obviously there’s a main difference: does believing in God involve a literally „living“ in prayer (which leads to the Jesus Prayer of the orthodox church that is prayed incessantly like a mantra and is supposed to finally go on all by itself, unconciously, synchronous with breathing and heartbeat)? Or does believing in God mean trusting in God’s love that knows our needs before we utter them – and that has forgiven us before we ask for forgiveness?

I think the difference is the all-too-human wish to do something for one’s relationship with God, to induce or mediate the relationship with God by doing something for it (like praying). Although it seems harder to pray regularly, to pray often or even incessantly, I believe it is harder to let everything come from God without participating in letting it come, without the good feeling that I did something to „earn“ this relationship.

So, the Lord’s prayer is „too precious“ because I am not supposed to use it as a means to fulfil my wishes, how good and pious they might be.

2) Benedict suggests the use of the Lord’s prayer to cleanse faults. It’s interesting that the moravian watchword for today is John 8:10-11: „When Jesus had lifted up himself, and saw none but the woman, he said unto her, Woman, where are those thine accusers? hath no man condemned thee? She said, No man, Lord. And Jesus said unto her, Neither do I condemn thee: go, and sin no more.“ (KJV) Jesus doesn’t order the woman to say prayers – or even His prayer -, but to „sin no more“. When the bible talks about cleansing faults, it expects change, reversion, not compensation. God doesn’t want and doesn’t need to be „paid“ for his forgiveness, neither does he want to punish us for what we’ve done (imagine prayer as a kind of „punishment“! – that’s perverting prayer!). God wants much more: he wants us to change our lives. He wants us to go to those we’ve hurt – that’s much, much harder than saying a few prayers.
Again, to think that cleansing my faults in the face of God will „do the trick“ is not what God wants from us. God wants us to get it right with the one we’ve hurt, to get things right so people don’t need to suffer. A person that prays hard may be a very pious person, a lover of God. But it may well be otherwise: that this person has neither the courage to believe that she is loved as she is, nor the courage to confront herself with what she has done and bear the consequences – knowing that, even if people can’t forgive her, God has done it long ago.

The Lord’s prayer is too precious because it doesn’t spare me to change myself and my life. Instead, it assures me that I am forgiven in the same way I manage to forgive others (and ask others to forgive me, one should add).

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7. Kapitel seines Buches „Transforming Christian Theology“

Veränderung kann bewältigt (managed) werden – aber nur, wenn sie anerkannt, angenommen und begrüßt wird. Eltern zum Beispiel bewältigen ständig Veränderungen, zum einen ausgelöst durch größere Übergänge in der Geschichte der Familie (Umzüge, Stellenwechsel, Scheidungen, Todesfälle in der Familie), zum anderen durch die radikalen Übergänge, die Kinder durchmachen, wenn sie heranwachsen. Auch Pastorinnen sind ständig gefragt, Veränderungen zu bewältigen – ob sie durch neue Kirchenvorstände, Konflikte oder demographische Veränderungen in der Gemeinde ausgelöst werden, durch neue gesellschaftliche Bewegungen oder neue gesellschaftliche Strukturen und Werte. Natürlich gibt es Kirchenleitende (church leaders), die krampfhaft an Altem festhalten und denen es dadurch nicht gelingt, auf das zu reagieren, was in ihren Gemeinden und um sie herum geschieht. Es gibt aber auch großartige Beispiele von Pastorinnen, die hervorragend Umbrüche und Veränderungen in ihren Gemeinden bewältigen. (Das transformingtheology.org – Projekt sammelt Musterlösungen (best practices) dieser Gemeinden und Pastorinnen und veröffentlicht sie auf seiner Website.)

Können Kirchenleitungen die Veränderungen der amerikanischen Kirchen, die ich beschrieben habe, bewältigen? Es sind engagierte christliche Führungskräfte mit tiefer religiöser Überzeugung und einer professionellen Herangehensweise an Leitung. Leider üben Menschen um sie herum oft starken Druck aus, um Veränderungen auf ein Mindestmaß zu beschränken, alte Strukturen und Gewohnheiten zu erhalten. In manchen Fällen hat der Druck dazu geführt, PR-Firmen zu engagieren, die teure Kampagnen zur Vermarktung der „Marke“ Kirche entwickelten. (…) Die Kirchenleitenden wissen, dass ihre Kirche eine Zeit extremer Krise erwartet. Bei unserer Gipfelkonferenz im Mai 2009 beschrieb eine der Kirchenleitenden die Situation mit bemerkenswerter Klarheit: „Wir haben Traditionen übernommen, die in einigen Fällen hunderte von Jahren alt sind. Unsere Verantwortung ist es, diese Traditionen und Gewohnheiten lebendig zu erhalten. Dennoch wissen wir, dass sie angegriffen werden und manche von ihnen um ihre Existenz kämpfen. Viele unserer Kirchen und anderen Einrichtungen werden das gegenwärtige Jahrhundert nicht überleben.“ Dann benannte sie selbstkritisch die Ironie dieser Situation: „Aber jede von uns ist fest dazu entschlossen, dass nichts zusammenbricht, während sie ‚im Amt‘ ist!“

Das ist das Problem in nuce: Veränderung soll stattfinden, aber gerade nicht ‚in meiner Amtszeit‘. Herrscht diese Haltung vor, wappnen sich Leitende nicht wirklich für die Zukunft. Ich möchte zu einer gegenteiligen Antwort drängen: Veränderung kann begrüßt und bewältigt werden! Es gibt einen kompletten Zweig der Theorie des Management, der sich auf die Bewältigung von Veränderungen konzentriert. Lesen Sie bloß Klassiker wie John Hayes „The Theory and Practice of Change Management“ (Palgrave Macmillan, 2002), oder „Making Sense of Change Management: A Complete Guide to the Models, Tools and Techniques of Organizational Change“, von Esther Cameron und Mike Green (Kogan Page, 2004). Näher an unserem Gebiet liegt Edwin Friedmans „A Failure of Nerve: Leadership in the Age of the Quick Fix“ (Seabury, 2007), das sich speziell auf die Leitung amerikanischer Kirchen konzentriert. Es stellt eine echte Herausforderung für alle dar, die sich „Führungskraft“ nennen. Im Klappentext heißt es prägnant: „mehr Reife, nicht mehr Daten; Stehvermögen, nicht Technik; und persönliche Verantwortung, nicht Einfühlungsvermögen.“

Christliche Führungskräfte, die ich respektiere, beklagten sich, als sie Entwürfe dieses Kapitels lasen, dass eine Veränderung der Größenordnung, wie sie der Kirche jetzt bevorsteht, nicht bewältigt werden (managed) kann. Ich habe den Begriff belassen, trotz ihrer Einwände, weil es immer welche unter uns geben wird, die mit der Leitung (managing) christlicher Organisationen, Kirchen und Gemeinden beauftragt sind. Ich möchte die verbreitete Meinung, es gäbe nur zwei Möglichkeiten: das Vergangene bewahren, oder das Leitungsamt aufgeben, unterminieren. Stattdessen suche ich nach einer neuen Leitungspersönlichkeit (manager), eine, die wirklich an der Spitze der Veränderung steht, andere dazu bringt, der Veränderung ins Gesicht zu sehen und die ihre Organisationen und Gruppen auf das vorbereitet, was auf sie zukommt.

Klar ist das eine neue Art von Führungskraft (Manager), eine mit einer anderen Vision von Leitung. Spencer Burke und ich sprachen neulich beim Essen über diese neue Art von Führungskraft (…). Spencer regte an, die neuen Führungskräfte sollten sich nicht als Kontrolleure von Abläufen und Personen verstehen, sondern als deren Gastgeber. Gastgeber bringen Leute zusammen, schaffen einen sicheren Rahmen (setting), ermöglichen (enable) es Leuten, sich miteinander wohl zu fühlen, erlauben die Äußerung unterschiedlicher Meinungen – und helfen ihren Gästen, mit dem umzugehen, was auch immer während ihres Beisammenseins passiert. Gastgeber sein gehört mit Gastfreundschaft zusammen, die ein Geschenkt des Geistes ist und ein fundamentales Thema des Neuen Testaments (vgl. 1.Petrus 4,9; Matthäus 25,35). Großartige Gastgeber sind keine hierarchischen Führungskräfte (top-down managers); sie sind Genies darin, Netzwerke aufzubauen und zu pflegen und positive Verknüpfungen mit anderen Netzwerken zu schaffen. Spencer hat recht: eine Change-Managerin ist mehr eine Gastgeberin als eine traditionelle Vorstandsvorsitzende oder Armeekommandierende.

Die Veränderungen, die uns bereits betreffen, können wir nicht kontrollieren, aber wir können ihnen auf intelligente Weise begegnen und auf sie mit Anmut (grace), neuen Ideen (innovation), Mut und Weitsicht reagieren. Als Leitende und Führungskräfte können wir andere ermutigen, sich konstruktiv und vertrauensvoll auf Veränderungen einzulassen. Das aber setzt eine gänzlich andere Haltung voraus. Statt das Alte um jeden Preis erhalten zu wollen, brauchen wir das Engagement, das, was wir als Kirche waren dem anzupassen, was wir als Kirche in Zukunft sein müssen. Es geht nicht darum, nicht mehr Nachfolgerinnen Jesu zu sein, oder das wahre Evangelium durch ein falsches zu ersetzen, oder uns an den säkularen Humanismus zu verraten, oder um ein anderes derartiges Übel. Es geht darum, einen Weg zu finden, das machtvolle, erlösende Wort in einem Kontext zu sagen, der anders ist als alles, was der Menschheit jemals zuvor begegnete. Um für diese neue Aufgabe bereit zu sein ist eine Art Umkehr nötig, eine Veränderung der persönlichen Grundhaltung. Aber es ist möglich! Tatsächlich haben manche weitblickende Führungskräfte, innerhalb der traditionellen Kirchen und außerhalb, bereits mit der Veränderung begonnen.

Ein dringender Appell an kirchliche Führungskräfte

Als Leiter von Gemeinschaften, als Kirchenleitende, Bischöfe und andere für die bestehenden christlichen Kirchen Verantwortliche rufen wir [Clayton spricht hier offenbar für das Kirchenvolk, GS] Sie zu einem fundamentalen Mentalitätswechsel auf. Wir rufen Sie dazu auf, sich nicht als Bewahrer institutioneller Gegenbenheiten zu verstehen, sondern als Gestalter der Veränderung (managers of change). Ihnen wurde die Verantwortung anvertraut, große Teile der christlichen Kirche durch eine Zeit der größten gesellschaftlichen Veränderungen zu führen, die die Menschheit je erlebt hat. Viele Denkmuster (paradigms), die Sie übernommen haben, werden jetzt zurückgelassen, neue institutionelle und kulturelle Denkmuster greifen. Veränderung zu gestalten (managing change) bedeutet nicht, die christliche Tradition aufzugeben, die ernste (deep) Nachfolge Jesu, oder das Streben nach theologischer Tiefe und theologischem Reichtum. Es bedeutet nicht, dass Sie aufhören, Gemeinden zu leiten, diakonische Aufgaben zu unterstützen und Glaubensgehorsam (faithful obedience) in all seinen Formen zu fördern. Es bedeutet, dass Sie das weiterhin tun – aber auf neue, effektivere Weise, eine, die für Menschen von heute und von morgen angemessen ist.

Die Statistiken Ihrer Kirche sind Ihnen vertraut. Sie wissen um den Mitgliederschwund, die ständig abnehmenden Finanzen, die große Zahl von Gemeinden, die am Rande des finanziellen Kollapses stehen. Sie wissen, dass die anderen Kirchen vor denselben Problemen stehen. Wir fordern Sie dazu auf, nicht länger an den Symptomen herumzudoktern, wenn das, was wirklich nötig ist, tiefgreifendere Veränderungen sind, Versuche zu neuen Ansätzen, und signifikante Umverteilung der Ressourcen. Zusammen mit allen anderen, die auf Ihre Leitung angewiesen sind, rufen wir Sie dazu auf, visionär Führende zu werden, die helfen, die Kirche auf eine sicherere Zukunft vorzubereiten.

Konkret fordern wir Sie zu sechs bestimmten Schritten auf, um die Veränderungen zu gestalten und zu unterstützen, die schon auf der Schwelle stehen:

Erstens, bitte treffen Sie sich mit anderen Kirchenleitungen und sprechen Sie ehrlich über die gemeinsamen Probleme. Der „gemeine Mann“ in Ihrer Kirche und in der Gesellschaft sagt, die Volkskirche sei erledigt, und dass nur evangelikale und charismatische Kirchen überleben und wachsen werden (und jetzt machen sich sogar deren Leitungen Sorgen). Tatsache ist: wenn Sie nicht alle mit gemeinsamer Stimme sprechen, mit einer erneuerten Vision und neuem Willen, wird sich diese Prophezeiung erfüllen – entweder während Ihrer Amtszeit, oder während der Ihrer Nachfolgerinnen!

Zweitens bitten wir Sie darum, diejenigen von Ihnen, die großen Programme oder Gremien in Ihrer Kirche vorsitzen, zu Treffen mit ihren Kolleginnen in anderen Kirchen aufzufordern. Beginnen Sie jetzt mit der Einrichtung gemeinsamer Projekte, die die Kirche auf die gerade beginnenden Veränderungen vorbereiten. Der Kampf um die eigenen Interessen oder den „Marktanteil“ der eigenen Konfession wird die Kirche als ganze nicht für die Zukunft stärken. Wir müssen uns statt dessen auf unsere gemeinsame Verkündigung und Mission konzentrieren. Helfen Sie uns, die großen Beiträge Ihrer Kirche in der Vergangenheit neu zu interpretieren, so dass sie auch in Zukunft Bestand haben.

Drittens bitten wir Sie, das solide Verfahren des Veränderungsmanagement (change management) zu nutzen. Es gibt viele kreative Möglichkeiten, eine Kirche in Zeiten des Paradigmenwechsels zu leiten, wenn man nur will. Hier nur ein paar Beispiele:

  • Teilen Sie Ihre Mittel und Ihre Geistlichen auf zwischen der Aufgabe, die traditionellen Gemeinden zu erhalten, und der Aufgabe, neue, unkonventionelle Konzepte für die Zukunft zu entwickeln. Ein gewisser Teil der Pfarrerinnen muss weiterhin den alternden Kirchen dienen. Aber andere müssen für radikal neue Formen der Pastoral freigestellt werden.
  • Beginnen Sie mit dem manchmal schmerzvollen Prozess, mehr Mittel in Musterlösungen (best practice) der Pastoral zu investieren. Das bedeutet, Mitgliedern von schwindenden Gemeinden zu helfen, sich zu örtlichen Gemeinden umzuorientieren, die weiterhin traditionelle Liturgie, Musik und Dienste anbieten. Schwindenden Gemeinden beim Prozess der Auflösung zu helfen ist die einzige Möglichkeit, Pfarrerinnen und Mittel für neue Formen des Kircheseins freizustellen.
  • Bitte erlauben Sie den intelligenten, jungen Vikarinnen, die wir gerade ausbilden, an den Formen innovativer Pastoral beteiligt zu sein, die sie sich vorstellen. Vertrauen Sie darauf, dass Gott auch durch sie wirkt! Erlauben Sie ihnen, Gruppen zu bilden, Hauskirchen und Kirchen-Ableger (church plants). Erlauben Sie ihnen, Gottesdienste in Kneipen zu feiern, Straßentheater zu spielen, Diskussionsgruppen in Büroräumen zu leiten, Bürgersteig-Kindergottesdienste abzuhalten und andere innovative Wege auszuprobieren, die Kirche zu sein, von der sie bereits träumen.
  • Bitte sammeln Sie Informationen zu Musterlösungen (best practice) und erfolgreichen Konzepten quer durch alle Konfessionen und von außerhalb und stellen Sie sie anderen Pfarrerinnen zur Verfügung. Wenn Sie sich weigern, erfolgreiche Neuerungen zu fördern und zu veröffentlichen, wird Kirche für die neue Welt, die sich um uns entfaltet, nicht mehr relevant sein.

Viertens, statt Ihre Differenzen und die einzigartigen Vorzüge Ihrer besonderen „Form“ des Christseins zu betonen, lassen Sie uns gemeinsam die Christenheit „unter einem Dach“ (one „big tent“) wiederentdecken, eine, die das Evangelium der Hoffnung betont, das wir teilen, und nicht die historischen Differenzen, die uns entzweit haben. Wie Sie wissen, sind viele Ihrer Kirchen in Fragen der Sexualethik gespalten, in besonderer Weise durch die destruktive Debatte über die Ordination homosexueller Geistlicher. Ein Grund, warum diese Debatten so zerstörerisch sind, ist, dass es uns nicht gelingt, die mächtigen Gemeinsamkeiten zur Sprache zu bringen, die uns zusammenhalten. Wir, das Kirchenvolk, brauchen kein neues Glaubensbekenntnis, kein neues Programm (manifesto). Wir brauchen fantasievolle Ideen, wie die Kernbotschaft der christlichen Tradition weiterhin machtvoll zu unserer Welt sprechen kann. Mehr und mehr von uns sind pragmatische Idealisten. Wir interessieren uns nicht für umständliche Lehrstreitigkeiten, für negative Propaganda wegen traditioneller theologischer Unterschiede, für Intoleranz und Ausschließlichkeit. Wir wollen Relevanz. Wir merken aber auch schnell, wenn Inhalt verdunstet und Kirchen für nichts anderes mehr sorgen als die aufgewärmten Werte der sie umgebenden Kultur, begleitet von den Resten traditioneller christlicher Bräuche. Hören Sie auch auf uns! Wir glauben fest, dass die Botschaft Jesu weiterhin für unsere zeitgenössische Kultur relevant ist, dass sie einer Welt in der Krise etwas Machtvolles zu geben hat. Wir glauben an ein Evangelium, das weder konservativ ist im Sinne von Ausschließlichkeit und Rückwärtsgewandtheit, noch liberal in dem Sinne, dass es jeden Inhalt aufgibt, auf Gott verzichtet und populäre Psychologie oder Political Correctness nur noch mit der dünnen Decke einer vage christlichen Sprache bedeckt. Leiten Sie uns dazu an, einen Mittelweg zwischen diesen beiden Extremen zu finden und zu formulieren, zumal wir glauben, dass das Herz des Christentums hier liegt!

Fünftens, helfen Sie uns, theologische Fantasie wieder aufleben zu lassen! Helfen Sie uns, als Pastorinnen und als Gottesdienstgemeinde – und als die, die Schwierigkeiten haben, überhaupt wieder Kontakt mit der Kirche aufzunehmen -, unsere Geschichten mit Hilfe der reichen theologischen Sprache unserer Tradition zu erzählen. Helfen Sie mit, dass die Predigerseminare zurück in die Gemeinde kommen, so dass sie wieder zu Verbündeten in dem Bemühen werden, eine theologische Sprache zu finden, die Menschen dort anspricht, wo sie leben. Helfen Sie, kontinuierliche Fortbildungsprogramme für Pastorinnen zu organisieren, die ihnen die Mittel und Ideen für den Dienst in dieser sich verändernden Welt zur Verfügung stellen. Unterstützen Sie kreativen Autorinnen dabei, innovatives Material für Kindergottesdienste und Erwachsenenbildung zu entwickeln, das auf die wirklich brennenden Fragen unserer Zeit eingeht. Besser noch, nutzen Sie die neuesten Technologien, um Menschen auf radikal neue Weise zu erreichen. Arbeiten Sie mit uns zusammen an öffentlich sichtbaren (high-visibility) Programmen und Arbeitsgruppen und geben sie mutige öffentliche Erklärungen ab zu Themen, die wirklich das Potenzial haben, die Welt zu verändern.

Schließlich, und vor allem anderen: unterschätzen Sie uns [das Kirchenvolk, GS] nicht! Wir merken sofort, wenn kirchliche Verlautbarungen lediglich herkömmlichen Kirchenjargon wiederkäuen, ohne diese Begriffe der Gegenwart anzupassen. Wir merken sofort, wenn kirchliche Papiere nichts weiter als die Werte unserer Gesellschaft spiegeln, ohne sie wirklich in die Sprache christlicher Hoffnung zu integrieren. Wenn Sie uns die Möglichkeit dazu geben, können wir Ihnen bei der Entscheidung helfen, was relevant ist und was nicht. Wir können Ihnen helfen, Kirchenleitende zu sein, die Gastgeberinnen neuer Begegnungen sind, die Veränderungen benennen und die Herausforderungen erkennen, die sie mit sich bringen. Wir werden mit Ihnen zusammenarbeiten und Sie unterstützen. Im Gegenzug ist es Ihre Aufgabe als Kirchenleitende, uns immer wieder an jenen riskanten Orten vorauszugehen, an denen niemand sicher weiß, was die richtigen Antworten sind. Raffen Sie sich auf und seien Sie wirklich unsere Hirten!

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Übersetzung des 7. Kapitels des Buches „Transforming Christian Theology“ von Philip Clayton. Alle Hervorhebungen stammen vom Autor. Mehrdeutige oder als fachspezifisch empfundene Ausdrücke haben das englische Original in runden Klammern bei sich. Die mit (…) kenntlich gemachten Auslassungen betreffen amerikanische Spezifika. Die durchgehende Verwendung des Femininums stammt vom Übersetzer/ GS

aus: Clayton, Philip, Transforming Christian Theology : for Church and Society, Minneapolis (Fortress Press) 2010, ISBN 978-0-8006-9699-3
Homepage des Autors: http://philipclayton.net