Do we care too much about church buildings?

Richard Littledale twitterte diese Frage und gab auf seinem Blog gleich selbst die Antwort: Jein. Zum einen: „the church is the people, not the building“ – „Kirchengebäude sind nur wichtig, insofern sie den Regen abhalten“. Zum anderen aber: „buildings steeped in years of prayer and worship are indeed special places„. Und er erzählt die Geschichte einer kleinen Wallfahrtskirche in Wales, deren Verfall und Umwandlung in ein Wohnhaus im weh tut.

Ein Kirchengebäude ruft immer wieder gespaltene Reaktionen hervor. In mittelalterliche Kirchengebäude werden z.T. Millionen an Geldern versenkt, um sie vor dem Verfall zu bewahren und ihre einstige Schönheit wieder herzustellen – Geld, das manche Gemeinde lieber für Personal ausgeben würde. Andererseits sind gerade diese mittelalterlichen Kirchen Orte, die eine Besucherin unmittelbar ansprechen und ergreifen.
Schon die Bibel tut sich schwer, eine eindeutige Position zum Kirchen- bzw. Tempelbau zu beziehen. David darf keinen Tempel bauen mit der Begründung, Gott habe beim Auszug aus Ägypten nicht in einem festen Haus, sondern im Zelt gewohnt (2.Samuel 7,5f). Sein Sohn Salomo aber beruft sich auf eine ausdrückliche Erlaubnis Gottes, ihm ein Haus zu bauen (1.Könige 8,19), weil Gott im Dunkel wohnen wolle (1.Könige 8,12, vgl. Exodus 20,21, Deuteronomium 4,11; 5,22; Psalm 97,2).
Jesus hält seine berühmteste Predigt auf einem Berg oder predigt am See Genezareth, er lehrt und predigt aber auch im Tempel. Und auch Paulus ist mal im Tempel, mal auf dem Areopag zu finden.
Die ersten christlichen Gemeinden trafen sich in privaten Wohnzimmern oder in den Katakomben – aber nicht, weil sie etwas gegen einen festen Kirchenbau gehabt hätten. Sie durften sich schlicht bei ihren Treffen nicht erwischen lassen – oder waren so wenige, dass ein Wohnzimmer ausreichte.

Geht man pragmatisch an die Sache heran, scheint es logisch, dass Menschen, die sich regelmäßig über einen längeren Zeitraum zum Gottesdienst treffen und die die Mittel dazu haben, sich einen Raum herrichten, in dem schon alles vorbereitet ist – das spart Zeit, und so ein Ort wird durch die lange Nutzung ein vertrauter, lieber Ort. Außerdem haben wir Menschen die Angewohnheit, Orte, die uns wichtig sind „schön“ zu gestalten. Für die Menschen, denen ihr Glaube viel oder sogar alles bedeutete, war es deshalb selbstverständlich, dass für ihren Gottesdienstort das Beste gerade gut genug war. Sie verwendeten ihr Talent und ihre Kunstfertigkeit darauf, Symbole zu schaffen, die uns bis heute ansprechen und berühren.
Aber wie alles, was Menschen so tun, gibt es nicht nur die „reine“ Motivation der Frömmigkeit. Oft spielen andere, eogistische Interessen mit hinein – Freude am Prunk, Ausdruck der Macht und Größe, Wettbewerb mit anderen -, die den ursprünglichen Sinn überlagern und die Kirchengebäude für viele besonders eifrige und fromme Gläubige zu einem Stein des Anstoßes werden ließen, was immer wieder zu Bilderstürmen und Zerstörungen geführt hat.

Ich habe einen Pfarrer kennengelernt, der 25 Jahre an der Restaurierung der Kirchenburg Walldorf gearbeitet hat (folgen Sie ihr auf Facebook). Die Herrichtung „seiner“ Kirche wurde zu einem Gemeindeaufbauprojekt, das viele, auch kirchenferne Menschen zur Kirche hingezogen hat. Als die Restaurierung gerade beendet war, zerstörte ein Feuer am 3. April 2012 die Arbeit von 25 Jahren. Das war für diesen Pfarrer Anlass, sich und Gott zu fragen, „ob wir bei Kirche nicht zu viel restaurieren“. Die Vernichtung seiner 25jährigen Arbeit wurde ihm zum Anstoß, noch einmal grundsätzlich über seine Arbeit als Pfarrer und über Kirche nachzudenken. Sein Ergebnis war nicht Resignation und Aufgabe – er baut die Kirche wieder auf. Aber nicht so, wie sie war. Die Walldorfer Kirche wird eine andere werden.
Auch Franz von Assisi war ein Kirchenrenovierer. Seine erste Tat, bevor er den Orden der Minderbrüder gründete, war die Renovierung einer Kirche. Er fühlte sich direkt von Jesus angesprochen, eine kleine Kapelle zu renovieren, und auch diese Renovierung war ein kleiner Gemeindeaufbau. Und sie war eine Metapher: Franziskus sollte mit seinem Orden der Minderbrüder die Kirche renovieren, sie zurückführen auf ihre Ursprünge, von denen sie sich entfernt hatte.

Kirchbauten können Steine des Anstoßes sein, sie können Metaphern sein für etwas, das nicht ausgesprochen wird. Wenn Richard Littledales kleine Kapelle in Wales dem Verfall preisgegeben und links liegengelassen wird, ist das auch ein Bild dafür, wie viele Menschen heute mit Kirche umgehen. Das kann einen schon schmerzen.

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