Amelungsborn – ein Reisebericht

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Dieses Zisterzienserkloster liegt wirklich abseits, wie es die Regel vorschreibt, einsam in der Landschaft; die Bundesstraße führt direkt daran vorbei. Dem Kloster selbst fehlen wie in Riddagshausen die Konventsgebäude. Das romanische Langhaus hat einen gotischen Chor und bekommen, der ungefähr doppelt so breit und mindestens genauso lang ist wie das Hauptschiff. Vom Dämmerdunkel des romanischen Hauptschiff tritt man ins Licht des Chores. Eigentlich eine sehr schöne Atmosphäre. Aber die Kirche strahlt durch die Einbauten etwas sehr antiquiert-konservatives aus. In der südöstlichen Ecke des Chorumgangs hat man einen Flügelaltar aufgestellt, der mal Mahrenholz gehörte. Er wirkt ein wenig wie ein Altar, an dem Mahrenholz verehrt wird. Der Flügelaltar soll den ungläubigen Thomas darstellen – vier Jünger in zinnoberroten Gewändern, in der Mitte ein fleischfarbener Jesus, der selbst den Finger in seine Wunde legt. Der seiner Seitenwunde am nächsten Stehende soll wohl Thomas sein. Ein Werk der 30er Jahre, kein Expressionismus, glaube ich (sieht man von den kontrastreichen Farben ab). Eine Beschreibung findet sich hier: http://www.kloster-amelungsborn.de/thomas-altar.html

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Im hinteren Teil des Chores hat man aus Kirchen- und Kniebänken zwei Reihen von Stallen gebaut, die vor einem kleinen Altar stehen. Dort findet sich an der Südseite auch der Sitz des Abtes, eine gotische Arbeit in Sandstein, vielleicht der Originalsitz. Es sind drei Stallen: Abt, Prior und Cellerar? Auf der Nordseite an der Säule eine kleine Glocke, wie eine Schiffsglocke. Der ganze Chor atmet den Geist von Agende I, nicht einladend, aber auch nicht hoch liturgisch, sondern eher wie ein Antiquariat.

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Der Kreuzgang ist als Weg gestaltet. An der Südseite der Kirche, zwischen Weg und Wand, ein Beet mit Kräutern – Thymian, Lavendel, Frauenmantel. Eine schöne Lösung, zumal es in Amelungsborn noch die Brunnenschale gibt, in der Wasser plätschert. Hinter dem Gäste- oder Studienhaus die Anlage eines kleinen Klostergartens mit Hochbeeten und vielen Schildern wie in einem botanischen Garten, auf Vollzähligkeit bedacht. Der Garten ist teilweise mit Weidenflechtzäunen abgegrenzt. Die Anlage außen ist schöner als die Atmosphäre des Kircheninneren und als die Kirche selbst, aber die entrückte, antiquierte Atmosphäre dringt auch nach außen.

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