Glauben und Riechen

„Ich kann dich gut riechen“ ist ein Kompliment, das man nur selten hört. Dabei gehört das sich-gut-riechen-Können zum Fundament einer Partnerschaft: Menschen finden durch den Geruch zueinander; er spielt eine wichtige Rolle bei der Partnerwahl. Wen man nicht gut riechen kann, auf den lässt man sich auch nicht näher ein.

Auch das Adjektiv „dufte“ wird nicht mehr verwendet. Es hatte seine Zeit, um Dinge und Menschen zu bezeichnen, die man besonders mochte. Die Zeit zarter olfaktorischer Komplimente ist lange vorbei; heute geht es derber und weit unterhalb der Nase zu: man findet’s „geil“, und nicht mehr „dufte“.

Auch das Verhältnis zwischen Gott und Mensch ist auf Geruch gegründet. Im Alten Testament gibt es viele Stellen, an denen Gott sich am „lieblichen Geruch“ erfreut. Die erste dieser Stellen findet sich gleich im ersten Buch der Bibel, am Ende der Sintflutgeschichte. Noah baut Gott aus Dankbarkeit über die Rettung einen Altar und verbrennt darauf Fleisch – er grillt, um es mal flapsig zu sagen. Gott kann das offenbar gut riechen, denn es heißt dann weiter: „Gott roch den lieblichen Geruch und sprach in seinem Herzen: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen … Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“ (1.Mose 8,20-22)

Gott ist ein Freund des Grillgeruchs – das haben alle Grill-Fans schon lange gewusst. Aber diese Einstellung zum Gegrillten ändert sich, wenn man in der Bibel weiterliest. Wenn nämlich der Geruch des Gebratenen und der Qualm des Grills dazu dienen, eigene Fehler zu vernebeln; wenn sie gar die Zuwendung zum Mitmenschen ersetzen sollen, kann Gott sie nicht mehr riechen. Statt durch Weihrauch und Parfum sollen die Menschen lieber durch gute Taten auf sich aufmerksam machen. So schreibt der Prophet Hosea:

„Ich habe Lust an der Liebe und nicht am Opfer,

an der Erkenntnis Gottes und nicht am Brandopfer.“ (Hosea 6,6)

Jesus hat sich dieses Wort Hoseas zu eigen gemacht (Matthäus 9,13 und 12,7) und vorgelebt, dass Liebe und Barmherzigkeit wirklich „dufte“ sein können.

Und er hat am eigenen Leib erfahren, wie sich das anfühlt, wenn man sehr lieb gehabt wird. Kurz vor seiner Verhaftung wird er von Maria Magdalena mit kostbarem Parfum gesalbt, so dass, wie es bei Johannes heißt, „das Haus erfüllt wurde vom Duft des Öls“ (Johannes 12,3). Bei aller Wertschätzung von Liebe und Barmherzigkeit vergisst auch Jesus nicht, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt; der Duft des Parfums zeigt an, wie sehr Maria Jesus liebt – und er ist auch ein Hinweis auf seinen nahen Tod und seine Bestattung.

In dieser Geschichte vermischen sich der reale Duft des Parfums mit dem symbolischen Duft der guten Tat, die Gott gut riechen kann. Womit sich der Kreis schließt: Nicht nur Weihrauch und Parfum, auch liebevolles, barmherziges Verhalten sorgen dafür, dass Gott uns gut riechen kann. Das gilt ja vielleicht auch für das Zusammenleben: Statt Parfum oder Rasierwasser könnte man es ja auch mal mit einem Lächeln, einem freundlichen Wort versuchen. Vielleicht können wir dann auch über uns sagen, was Paulus von sich schreibt:

„Gott sei gedankt, der … offenbart den Wohlgeruch seiner Erkenntnis durch uns an allen Orten! Denn wir sind für Gott ein Wohlgeruch Christi unter denen, die gerettet werden …: ein Geruch des Lebens zum Leben.“ (2.Korinther 2,14-16)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: